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Verbrühung im Säuglingsalter: Altonaer Kinderkrankenhaus begleitet Patientin über 16 Jahre lang

03.02.2026

Verbrühung im Säuglingsalter: Altonaer Kinderkrankenhaus begleitet Patientin über 16 Jahre lang

Hamburg, 03.02.2026– Als Sehri gerade einmal ein halbes Jahr alt ist, passiert der folgenschwere Unfall: Kochend heißes Teewasser ergießt sich über ihre rechte Hand und führt zu einer schweren Verbrühung, die tiefere Hautschichten zerstört. Seitdem ist das Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) über viele Jahre zu einem festen Begleiter ihres Lebens geworden.

Heute ist Sehri 16 Jahre alt, wohnt in Moisburg (Niedersachsen) und liebt es, in ihrer Freizeit Ballett zu tanzen. Was viele nicht wissen: Fast 20 operative Eingriffe liegen hinter ihr, darunter Hauttransplantationen, Lappenplastiken und wiederholte Narbenstranglösungen. Nach dem Unfall im Jahr 2010, als sich kochend heißes Wasser über ihre rechte Hand und teils linke Hand ergießt, bringen ihre Eltern Sehri sofort ins Altonaer Kinderkrankenhaus. Nach der ersten Operation wird sie zunächst sechs Wochen lang stationär im AKK behandelt. Dabei wird die zerstörte Haut abgetragen und die ersten Hautverpflanzungen von anderen Körperstellen folgen. Ab diesem Moment beginnt für Sehri eine lange Phase der rekonstruktiven Chirurgie. „Diese Operationen sind notwendig, damit die Finger durch die Narbenzüge nicht immer krummer werden“, erklärt der leitende Arzt der Kinderunfallchirurgie PD Dr. Dirk Sommerfeldt, der Sehri seit ihrer frühen Kindheit behandelt. „Narben wachsen nicht mit. Deshalb müssen wir im Laufe des Wachstums regelmäßig nacharbeiten, um Funktion und Beweglichkeit zu erhalten.“

Zahlreiche Operationen, Physiotherapie und konsequente Narbenpflege

Es folgen intensive Jahre der Nachsorge: Alle ein bis zwei Jahre wird Sehri im AKK behandelt, insgesamt rund zehn Operationen mit Vollnarkose allein im Wachstum. Mithilfe von Verschiebelappen wird immer wieder an Länge gewonnen, um Kontrakturen zu verhindern und die Beweglichkeit der Finger zu sichern. „Neben den operativen Eingriffen ist bei Verbrühungen auch die richtige Pflege essentiell: Die Narben sollten täglich mit Salben gepflegt werden. Und auch ein Kompressionshandschuh kann hilfreich sein“, erklärt PD Dr. Sommerfeldt. Von ihrem sechsten Lebensmonat bis zum Alter von drei Jahren erhält Sehri zudem regelmäßig Physiotherapie, um die Beweglichkeit der Hand zu fördern. Auch heute bekommt sie noch Übungen mit nach Hause, die die Dehnbarkeit der Finger verbessern und wendet diese drei- bis viermal pro Woche an.

Trotz der langen Aufenthalte verbindet die 16-Jährige mit dem AKK ausschließlich positive Erinnerungen: „Alle zwei Jahre operiert zu werden, war für mich ganz normal. Ich hatte keine Angst vor den OPs oder vor dem Besuch hier – es gehörte einfach zu meinem Leben dazu. Das liegt ganz stark am Personal, denn ich habe mich hier immer wohlgefühlt. Wenn eine Kinderkrankenpflegerin ins Zimmer kam oder Visite anstand, fühlte sich das für mich immer entspannt an und war lustig.“

Kompetenzzentrum für thermische Verletzungen und rekonstruktive Chirurgie

Sehris Behandlungsgeschichte ist kein Einzelfall: Über 30.000 Kinder erleiden jährlich eine Verbrennung oder Verbrühung, die ärztliche Hilfe erfordert. Etwa 6.000 von ihnen müssen sogar stationär im Krankenhaus behandelt werden. Seit einigen Jahren ist die Behandlung von Kindern mit thermischen Verletzungen darum fest in der Sektion für Brandverletzungen, plastische und rekonstruktive Chirurgie verankert. Hier werden Kinder mit Verbrennungen, Verbrühungen sowie mit allen Erkrankungen betreut, die eine plastisch-rekonstruktive Therapie erfordern.

Das Altonaer Kinderkrankenhaus ist eine spezialisierte Klinik für brandverletzte Kinder und mit dem Gütesiegel „Sicherheit und Qualität für brandverletzte Kinder“ des Arbeitskreises „Das schwerbrandveretzte Kind“ und der Deutschen Gesellschaft für Verbrennungsmedizin ausgezeichnet. „Unser Aufgabe ist nicht nur die Akutbehandlung“, erklärt der Leiter der Sektion für Brandverletzungen, plastische und rekonstruktive Chirurgie PD Dr. Ingo Königs. „Mindestens genauso wichtig sind die langfristige Betreuung, die konservative Narbenbehandlung und ggf. Korrekturoperationen oder Lasertherapien.“

Ein besonderes Anliegen der Sektion für Brandverletzungen, plastische und rekonstruktive Chirurgie ist neben der medizinischen Versorgung auch die Aufklärung und Prävention. Deshalb findet im Altonaer Kinderkrankenhaus jährlich zum „Tag des brandverletzten Kindes“ am 07.12. ein Aktionstag statt, der gezielt auf die Gefahren thermischer Verletzungen aufmerksam macht. An diesem Tag besuchen Grundschulklassen das Kinderkrankenhaus. Spielerisch und altersgerecht lernen die Kinder, wie es zu Verbrühungen und Verbrennungen kommen kann – und vor allem, wie sich solche Unfälle vermeiden lassen. „Mit dem Aktionstag wollen wir Kinder früh sensibilisieren und gleichzeitig Eltern und Lehrkräfte für diese Risiken schärfen“, so Frau Dr. Miriam Fattouh, stellvertretende Sektionsleiterin. Der Aktionstag in Zusammenarbeit mit Paulinchen, Initiative für brandverletzte Kinder e.V. und der Feuerwehr Hamburg verbindet medizinische Expertise mit Präventionsarbeit und unterstreicht den ganzheitlichen Ansatz der Sektion: Behandeln, begleiten – und verhindern, dass es überhaupt zu solchen Verletzungen kommt.

Dankbarkeit und Zukunftsperspektive

Sehri und ihre Familie sind dankbar für die jahrelange Begleitung: „Das Altonaer Kinderkrankenhaus war immer da – medizinisch, menschlich und mit unglaublich viel Geduld“, sagt die Jugendliche. Die vielen Aufenthalte im OP haben Sehris Blick auf ihre Zukunft geprägt. „Ich könnte mir gut vorstellen, als Operationstechnische Assistentin im OP zu arbeiten. Die Mischung aus Pflege und OP finde ich toll“, sagt sie. „Vielleicht mache ich mein Praktikum sogar hier im AKK.“ Das nächste Mal ist sie im Herbst vor Ort: „Wahrscheinlich die letzte OP im AKK“. Ihr Fall zeigt eindrucksvoll: Eine Verbrühung im Kindesalter ist kein kurzer medizinischer Abschnitt, sondern oft eine lange Reise der Wiederherstellung – mit dem Ziel, Kindern ein möglichst selbstbestimmtes, funktionelles und selbstbewusstes Leben zu ermöglichen. 

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