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Leistungsschwimmerin Katalea: So wirksam unterstützt Sport die Entwicklung von Frühgeborenen

19.08.2025

Leistungsschwimmerin Katalea: So wirksam unterstützt Sport die Entwicklung von Frühgeborenen

Hamburg, 19.08.2025Bereits seit ihrem vierten Lebensjahr widmet sich Katalea M. mit großer Leidenschaft dem Sport.Die Hamburgerin trainiert drei Mal pro Woche und zeigte in den letzten Jahren immer wieder landesweite Erfolge im Leistungsschwimmen. Mit ihrem sportlichen Talent schaffte sie es beim Schwimmen dieses Jahr sogar gemeinsam mit ihrer Schule zu „Jugend trainiert für Olympia“. So außergewöhnlich wie ihr Talent war auch ihr Start ins Leben – denn Katalea kam als Frühchen zur Welt.

„Mir geht es gut und im Schwimmen und Reiten habe ich meine Leidenschaft gefunden“ – wer hätte vor zwölf Jahren gedacht, dass Katalea das einmal sagen würde? Ihre Mutter erinnert sich an die Zeit vor der Geburt ihres Kindes: „Die Schwangerschaft war in den ersten Wochen komplikationslos, bis ich in der 23. Schwangerschaftswoche einen Blasensprung hatte, Fruchtwasser verlor und sofort ins Krankenhaus musste.“ In der 26. Schwangerschaftswoche, am 18.02.2013, musste Katalea dann schon per Kaiserschnitt entbunden werden. Sie wog damals nur 780 Gramm. Damit ist sie nicht allein. Auf der Früh- und Neugeborenenintensivstation des Altonaer Kinderkrankenhauses (AKK) im Perinatalzentrum Altona werden jährlich ca. 400 Frühgeborene Patientinnen und Patienten behandelt. Als frühgeboren gelten alle Kinder, die vor der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt kommen. Die Früh- und Neugeborenenintensivstation des AKK versorgt Frühgeborene ab 23 vollendeten Schwangerschaftswochen.  

Katalea verbrachte ihre ersten sieben Lebenswochen im Inkubator, da sie infolge von Frühgeburtskomplikationen – darunter Atemnotsyndrom und Hirnblutungen – intensivmedizinisch behandelt werden musste. „Für mich und meine Familie war diese Zeit von großer Ungewissheit geprägt – niemand wusste zunächst, ob Katalea durch die Hirnblutungen geistige Schäden davontragen würde oder nicht“, berichtet die Mutter. „Wenn ein Kind so früh auf die Welt kommt, sind seine Organe und Körperfunktionen noch nicht ausgereift. Auch wenn die Überlebensraten stetig steigen – Herz- und Lungenprobleme sowie Hirnblutungen kommen aufgrund der noch unreifen Gefäße häufig vor. Deshalb braucht es viel medizinische Unterstützung, bis es selbstständig überlebensfähig ist,“ erklärt PD Dr. med. Martin Blohm, Leitender Arzt der Neonatologie und Intensivmedizin im AKK.

Katalea hat innerhalb kürzester Zeit riesige Fortschritte gemacht und blieb bis zu ihrer Entlassung am 30. Mai 2013. Und dann kam die Zeit danach. Die Zeit nach dem Krankenhaus – mit gezielter Begleitung und Frühförderung – ist nicht nur für die Entwicklung des Frühgeborenen, sondern auch für das Wohl der gesamten Familie von entscheidender Bedeutung. Zwei Jahre lang fanden im AKK regelmäßige gesetzliche Nachsorgetermine statt, um Kataleas Entwicklungsverlauf sorgfältig zu überwachen. Eine wichtige Unterstützung in dieser Zeit bot der Leuchtturm Hamburg e. V., eine Organisation, die Frühgeborene und ihre Familien im Rahmen der sozialmedizinischen Nachsorge begleitet. „Wir fühlen uns dem Leuchtturm bis heute verbunden und nehmen regelmäßig an Veranstaltungen teil – auch, um anderen Familien Mut zu machen.“

Heute, 12 Jahre nach ihrer Geburt, steht Katalea mitten im Leben. Ihre Entwicklung wurde durch Frühförderung und Sport unterstützt: Mit 6 Monaten begann sie Babyschwimmen, mit 4 Jahren machte sie ihr Seepferdchen und in der Grundschulzeit besuchte sie Kinderballett und Kinderturnen. Besonders begeistert ist sie vom Schwimmen und Reiten. Erfolge sammelte sie reichlich: Zuletzt gewann sie mit der Schulmannschaft die Goldmedaille bei „Jugend trainiert für Olympia“ beim Landesfinale Schleswig-Holstein. Im September 2025 steht nun ein echter Höhepunkt bevor: Katalea wird mit ihrer Schulmannschaft Schleswig-Holstein beim Bundesfinale „Jugend trainiert für Olympia“ in Berlin vertreten sein. Und auch beim Reiten hat sie bereits 16 Schleifen gewonnen. „Ich bin wirklich stolz auf ihr sportliches Engagement – Katalea ist und bleibt eine Kämpferin“, sagt ihre Mutter voller Stolz. Ihre Motivation bringt sie selbst am besten auf den Punkt: Ich freue mich riesig auf Berlin – das ist für mich wie ein Traum! Doch die Erfolge sind mir gar nicht so wichtig – ich mache das alles einfach, weil es mir unheimlich Spaß macht.

Gerade solche Erfolgsgeschichten wie die von Katalea zeigen eindrücklich, wie wichtig eine umfassende Betreuung ist. Dr. Martin Blohm hört sie deshalb besonders gerne: „Ich habe mich gefreut, Katalea auf einer Jubiläumsfeier von Leuchtturm e.V. gesund und munter zu treffen. Für uns ist es immer eine tolle Rückkoppelung, den Erfolg unserer Arbeit bei Jugendlichen und erwachsenen Kindern zu sehen. Die Kombination aus Frühgeborenenmedizin, einer guten Begleitung durch die Familie sowie der Frühförderung ist entscheidend für die Entwicklung eines frühgeborenen Kindes. Sport hilft Ihrem frühgeborenen Kind, sich kognitive als auch körperlich weiterzuentwickeln und gleichzeitig soziale Kompetenzen zu stärken. Entscheidend ist, eine Sportart zu wählen, die zu den individuellen Fähigkeiten passt – denn Sport stärkt nicht nur Koordination und Motorik, sondern auch Denken, Teamgeist und soziale Integration.“

Infokasten: Sport & Frühgeborene

Frühgeborene sind im Durchschnitt etwas weniger leistungsfähig als Reifgeborene. Sie stehen oft vor besonderen gesundheitlichen und entwicklungsbezogenen Herausforderungen. Dazu zählen eine eingeschränkte kardiopulmonale Leistungsfähigkeit, also der Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge, sowie Beeinträchtigungen der Koordination. Auch psychologisch zeigen sich bei einigen ein erhöhtes Risiko für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) sowie eine Tendenz zu sozialer Zurückgezogenheit.

Das belegt auch eine australische Metaanalyse (1) zur kardiopulmonalen Leistungsfähigkeit. Diese Untersuchung zeigte, dass Frühgeborene um die 26. Schwangerschaftswoche im Mittel eine etwas geringere Leistungsfähigkeit aufweisen, was unter anderem auf eine reduzierte maximale Sauerstoffaufnahme zurückzuführen ist. Die Werte folgen dabei in etwa einer sogenannten Gaußschen Normalverteilung: Manche Kinder liegen – immer im Vergleich zu Reifgeborenen – unter dem Durchschnitt, andere erreichen ihn oder überschreiten ihn sogar. Eine weitere Studie aus Erlangen (2) zur kardiopulmonalen Leistungsfähigkeit bei Frühgeborenen, die nach der 32. Schwangerschaftswoche geborene wurden,  im Alter von 10-12 Jahren, zeigte hingegen, dass die Kinder in dieser Gruppe eine mit reifgeborenen Kindern vergleichbare körperliche Leistungsfähigkeit entwickeln. Gemessen wurden dabei die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität sowie das Atemminutenvolumen.

Die Erkenntnisse unterstreichen die große Bedeutung einer frühzeitigen und ganzheitlichen Förderung von Frühgeborenen. Katalea befindet sich am oberen Rand der „Gaußschen Kurve“, ist damit überdurchschnittlich leistungsfähig und zeigt zugleich, dass auch andere frühgeborene Kinder durch gezieltes Training ihre Leistungsfähigkeit deutlich steigern können. Die sportlichen Aktivitäten erfolgen bei ihr nicht zur Kompensation von Hyperaktivität – sie ist vielmehr ein sehr ruhiges Kind –, sondern in erster Linie aus Freude an der Bewegung. Insgesamt trägt Sport dazu bei, sowohl die kognitive als auch die körperliche Entwicklung zu fördern und gleichzeitig soziale Kompetenzen zu stärken.

(1) Beaven ML, Gibbons JTD, Course CW, Kotecha SJ, Hixson T, Maiorana A, Zuidersma M, Kotecha S, Smith EF, Simpson SJ. Physiological responses to exercise in survivors of preterm birth: a meta-analysis. Eur Respir Rev. 2025 Jun 18;34(176):240163. doi: 10.1183/16000617.0163-2024. PMID: 40533101; PMCID: PMC12175073

(2) Weigelt A, Bleck S, Huebner MJ, Rottermann K, Waellisch W, Morhart P, Abu-Tair T, Dittrich S, Schoeffl I. Impact of premature birth on cardiopulmonary function in later life. Eur J Pediatr. 2023 Jul;182(7):3265-3274. doi: 10.1007/s00431-023-04952-y. Epub 2023 May 6. PMID: 37147470; PMCID: PMC10353970.

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