
17.11.2025
Herbstzeit ist Grippezeit: Wie sinnvoll ist eine Grippeimpfung für Kinder, Herr Prof. Dr. Stock?
Hamburg, 17.11.2025 – Hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten, Schnupfen, Erschöpfung und Appetitlosigkeit – ein Grippevirus kann nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder mit diversen unangenehmen Symptomen plagen. Prof. Dr. Philippe Stock, Ärztlicher Direktor im Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK), klärt auf, wie Eltern am besten helfen können – und ob eine Impfung gegen Influenza für Kinder sinnvoll ist.
„Eine Grippe tritt bei Kindern oft plötzlich auf und kann ein bis zwei Wochen andauern. Bei einem milden Verlauf helfen Bettruhe und viel Trinken, denn durch das Fieber und das typische Schwitzen verliert der Körper viel Flüssigkeit. Bei stärkerer Beeinträchtigung kann mit fiebersenkenden Medikamenten wie Paracetamol Linderung verschafft werden“, so Prof. Stock.
Verbessert sich der Allgemeinzustand des Kindes nicht oder treten starke Symptome wie Atemnot oder plötzliche, heftige Ohrenschmerzen auf, sollten Eltern unbedingt eine Arztpraxis aufsuchen. Bei Säuglingen und Kleinkindern empfiehlt sich dies immer.
Bei einem Arztbesuch werden dann immer der individuelle Krankheitsverlauf und die Geschichte des kleinen Patienten oder der kleinen Patientin betrachtet. Daraufhin kann der Arzt oder die Ärztin die notwendigen Maßnahmen einleiten und weitere Tipps zur Genesung geben.
Kann ich mein Kind mit einer Impfung schützen?
Um das Immunsystem generell zu stärken und einer Grippe bestmöglich vorzubeugen, empfiehlt sich:
- eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse
- ausreichend Schlaf und viel Bewegung
- Aufenthalt an der frischen Luft
- regelmäßiges Lüften in Innenräumen
- in die Armbeuge husten und niesen, um die Keimverbreitung einzugrenzen
- regelmäßig die Hände waschen, insbesondere direkt bei der Ankunft zu Hause.
„Bei gesunden Kindern reichen diese Vorkehrungen häufig aus – und wenn sie sich doch anstecken, wird in der Regel ein milder Grippeverlauf beobachtet. Aus diesem Grund werden gesunde Kinder normalerweise auch nicht geimpft. Bestehen jedoch Vorerkrankungen, könnte eine Ansteckung zu Komplikationen wie einer Lungenentzündung führen“, sagt der Ärztliche Direktor, „in solchen Fällen kann eine rechtzeitige präventive Grippeimpfung durchaus sinnvoll sein.“
Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenza-Impfung „für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie z.B. chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten wie z.B. Multiple Sklerose mit durch Infektionen getriggerten Schüben, angeborene oder erworbene Immundefizienz oder HIV)“.
Da der Impfschutz erst nach zehn bis 14 Tagen nach der Impfung vollständig aufgebaut ist, sollte diese im besten Fall zwischen Oktober und Mitte Dezember erfolgen – denn in den letzten Jahren waren die Fallzahlen zur Jahreswende laut der STIKO am höchsten.
Impfstoff in Form von Nasenspray
Grundsätzlich gilt, dass Kinder ab sechs Monaten gegen Influenza geimpft werden können. Kinder erhalten in der Regel dieselbe Dosis wie Erwachsene, mit einer Ausnahme: Kinder bis neun Jahre, die zum ersten Mal im Leben gegen Influenza geimpft werden, erhalten zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen. Hier muss immer die Fachinformation des jeweiligen Impfstoffes beachtet werden. „Im Gegensatz zu der Impfung bei Erwachsenen haben wir bei Kindern zwischen zwei und 17 Jahren die Möglichkeit, statt auf einen Totimpfstoff auf einen Lebendimpfstoff zurückzugreifen, der als Nasenspray verabreicht werden kann“, berichtet Prof. Stock. Vor allem bei Kindern, die große Angst vor Spritzen haben oder aber eine Blutgerinnungsstörung vorliegt, wird diese Form empfohlen. Hat das Kind jedoch Asthma oder eine Immunschwäche, wird der Totimpfstoff genutzt.
„Ob ein Kind gegen Grippe geimpft werden sollte und wenn ja, welcher Impfstoff verwendet wird, kann nicht pauschalisiert werden. Je nach Krankheitsgeschichte und Allgemeinzustand entscheidet der Arzt oder die Ärztin in Absprache mit den Eltern und dem Patienten ganz individuell“, resümiert der Ärztliche Direktor. Bei Unsicherheiten gilt entsprechend: den Kinderarzt oder die Kinderärztin fragen.
Unser Experte:
Prof. Dr. Philippe Stock ist Ärztlicher Direktor sowie Leitender Arzt der Pädiatrie (Kinderpneumologe und Allergologe) am Altonaer Kinderkrankenhaus.
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