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In unserer kinderorthopädischen Abteilung mit integriertem Wirbelsäulenzentrum kümmern wir uns umfassend und einfühlsam um Kinder und Jugendliche mit Wirbelsäulendeformitäten. Dazu zählen u.a. Skoliose, Kyphose, Spondylolisthese und weitere Fehlstellungen. Diese Erkrankungen erfordern eine präzise Diagnostik sowie individuell angepasste, oft interdisziplinär abgestimmte Therapien.

Das Wirbelsäulenzentrum

Unser spezialisiertes Zentrum ist eng in die Abteilung für Kinderorthopädie eingebunden. Hier arbeiten wir fachübergreifend mit der Anästhesiologie, Pulmologie, Kardiologie, Neurochirurgie und Intensivmedizin zusammen – insbesondere bei Kindern mit respiratorischer Insuffizienz, die im sogenannten Lufthafen - umfassend betreut werden..

Was ist eine Skoliose?

Unter Skoliose versteht man eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule mit gleichzeitiger Verdrehung (Rotation) der Wirbelkörper. Dies führt oft zu einer asymmetrischen Körperhaltung (z. B. Schulter-/Beckenschiefstand) und kann zu verschiedenen Beschwerden führen wie Rückenschmerz, Einschränkungen der Lungenfunktion durch Verformung des Brustkorbs und in besonders schweren Fällen bis zu Beeinträchtigung innerer Organe.

Welche Formen der Skoliose gibt es?

Welche Formen der Skoliose gibt es?

Eine sinnvolle Einteilung erfolgt in idiopathische und nicht-idiopathische Skoliosen:

Idiopathische Skoliose

  • Häufigste Form (ca. 80–90 %)
  • Ohne erkennbare Ursache, meist im Jugendalter

Nicht-idiopathische Skoliosen

  • Kongenital: durch Wirbelfehlbildungen in der Embryonalzeit
  • Neuromyopathisch: infolge neurologischer oder muskulärer Erkrankungen (z. B. Muskeldystrophie, Zerebralparese)
  • Syndromal: im Rahmen genetischer Syndrome (z. B. Marfan- oder Rett-Syndrom)

Frühkindliche Skoliose:

  • Oft rasch progredient
  • Mit zunehmender Krümmung kann es zu erheblichen Lungenfunktionsstörungen kommen – eine frühzeitige Diagnostik und Therapie ist daher besonders wichtig

Weitere Wirbelsäulendeformitäten

  • Scheuermann-Kyphose: häufige Wachstumsstörung mit verstärkter Brustkyphose im Jugendalter
  • Spondylolisthese: Wirbelgleiten, das Rückenschmerzen und Instabilität verursachen kann

Wie wird eine Skoliose diagnostiziert?

Die Diagnose beginnt mit einer gründlichen klinischen Untersuchung, bei der unsere spezialisierten Ärzte auf sichtbare Auffälligkeiten achten – insbesondere auf den Rippen- oder Lendenwulst beim Vorbeugetest.

Zur weiteren Abklärung setzen wir moderne bildgebende Verfahren ein:

  • Röntgenaufnahmen zur Bestimmung des Cobb-Winkels, der das Ausmaß der Krümmung in Grad angibt
  • MRT (Magnetresonanztomografie) zum Ausschluss von Veränderungen im Rückenmark
  • CT (Computertomografie) in speziellen Fällen, z. B. zur Operationsplanung

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung wird stets individuell auf das Alter, das Fortschreiten der Krümmung und die Ursache abgestimmt. In unserer Abteilung bieten wir das gesamte Spektrum moderner Skoliose-Therapien an: 

Nichtoperative Maßnahmen

  • Risser-Cast-Therapie: spezielles Redressionsverfahren, bei dem in wiederholten Gipsserien eine schrittweise Korrektur der Krümmung erfolgt – v. a. bei sehr jungen Kindern mit frühkindlicher Skoliose geeignet
  • Korsettbehandlung: individuell gefertigtes Korsett zur Wachstumslenkung – entscheidend ist das konsequente Tragen

Operative Maßnahmen

Wenn eine konservative Therapie nicht ausreicht oder die Krümmung deutlich zunimmt, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig werden. Die operative Behandlung richtet sich nach dem Alter, dem Wachstumspotenzial und der Art der Skoliose. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen mitwachsenden Systemen und der definitiven Korrektur und Stabilisierung.

Mitwachsende Systeme

Bei Kindern mit frühkindlicher Skoliose steht die Vermeidung einer frühzeitigen definitiven Spondylodese im Vordergrund, da diese nachweislich das Wachstum der Wirbelsäule und des Thorax einschränken und zu erheblichen Lungenfunktionsstörungen führen kann. Wachstumserhaltende Verfahren sollen die Deformität kontrollieren und gleichzeitig das Längenwachstum der Wirbelsäule sowie die thorakale Entwicklung ermöglichen.

In unserer Klinik erfolgt bei starken oder rigiden Krümmungen (z. B. bei Cobb-Winkeln über 75°, signifikanter Kyphose oder geringer Flexibilität der Krümmung) vor der ersten Operation eine Halo-Extensionstherapie. Diese dauert in der Regel 4–6 Wochen und wird mit bis zu 60% des Körpergewichts durchgeführt. Ziel ist eine Vorbehandlung zur Verbesserung der Korrekturmöglichkeit, Reduktion der OP-Komplikationen und bessere Ausgangslage für das mitwachsende Implantat.

Indikationen:

  • Skoliose im frühen Kindesalter mit rascher Progredienz (>50-60° nach Cobb)
  • Bedrohung der Lungenentwicklung durch enge Brustkorbverhältnisse
  • erfolglose oder nicht tolerierte konservative Therapie
  • kongenitale, neuromuskuläre oder syndromale Ursachen

Systeme im Überblick:

  • TGR (Traditional Growing Rods): Manuell verlängerbare Stäbe, die beidseits der Wirbelsäule fixiert werden und über Konnektoren verbunden werden. In regelmäßigen Abständen (alle 6 Monate) erfolgt eine Verlängerung durch kleine Folgeeingriffe in Narkose.
  • VEPTR (Vertical Expandable Prosthetic Titanium Rib): Entwickelt zur Behandlung kongenitaler Skoliosen mit begleitender Thoraxdeformität und Rippenfusion. Das Implantat besteht aus einer inneren und äußeren Schiene, welche sich ineinander teleskopartig verschieben und mit einer speziellen Klammer verriegelt wird.  Das System ist besonders geeignet bei Thoraxinsuffizienzsyndrom, kongenitalen Deformitäten oder auch bei neuromuskulären und syndromalen Skoliosen mit Rippen-Becken Verankerungerung (“Eiffeltower- Konstruktion”)
  • MAGEC-System: Magnetisch verlängerbare Stäbe, die extern über ein Steuergerät ambulant verlängert werden können – ohne wiederholte Operationen. Deutlich reduzierter Aufwand und geringere psychische Belastung für das Kind. Die Stäbe sollten jedoch nach 2-3 Jahren ausgetauscht werden, da sie einerseits an Distraktionskraft verlieren und Komplikationen nach über 2 Jahren zuzunehmen scheinen.
  • NEMOST-System: Ein neues System mit automatischer Verlängerung. Ein Einweg-Selbstverlängerndes System bei dem kein externer Antrieb notwendig ist und keine Folgeeingriffe.

Besonderheiten & Verlauf:

  • Die mitwachsenden Systeme erfordern über die Jahre meist mehrere Eingriffe zur Anpassung, ggf. auch zum Wechsel von Komponenten.
  • Während der gesamten Wachstumsphase werden regelmäßige Kontrollen durchgeführt.
  • Endgültige Versorgung: Nach Abschluss des Längenwachstums erfolgt in der Regel eine definitive operative Korrektur und Stabilisierung, um eine dauerhafte Begradigung und Belastbarkeit der Wirbelsäule zu gewährleisten.

Definitive operative Korrektur und Stabilisierung

Diese erfolgt bei Jugendlichen mit abgeschlossener oder weit fortgeschrittener Knochenreife. Ziel ist die dauerhafte Korrektur der Wirbelsäulenverkrümmung bei gleichzeitig stabiler Fixation.

  • Korrektur-Spondylodese Korrektur der Krümmung und stabile Fusion der betroffenen Wirbelsegmente, je nachdem auf welcher Wirbelsäulenhöhe die Deformität vorliegt, nutzen wir hier “dorsale/hintere” oder auch “ventrale/vordere” Zugänge - operieren also über den Rücken, den Bauch oder auch den Brustkorb.

Behandlung der Spondylolisthese

Ein weiterer Schwerpunkt unseres Zentrums ist die Behandlung des Wirbelgleitens. Je nach Ausprägung kommen konservative oder operative Maßnahmen zum Einsatz, um Beschwerden zu lindern und eine Stabilität der Wirbelsäule zu sichern.

Interdisziplinäre Abklärung vor einer Operation

Vor jeder geplanten Skoliose-Operation erfolgt bei uns eine umfassende stationäre Abklärung, um die Sicherheit und optimale Vorbereitung Ihres Kindes zu gewährleisten. Hierbei arbeiten verschiedene Fachabteilungen eng zusammen:

  • Anästhesiologie – Beurteilung der Narkosefähigkeit
  • Kardiologie – Herzfunktion und eventuelle Vorerkrankungen
  • Pulmologie – Lungenfunktion und Atemkapazität
  • Neurochirurgie – Einschätzung möglicher neurologischer Begleiterkrankungen

Diese interdisziplinäre Untersuchung ist ein fester Bestandteil unseres Behandlungsangebots und ermöglicht eine individuell abgestimmte, sichere Therapieplanung.

Wir sind für Sie da

Eine Skoliose-Diagnose kann für Familien zunächst verunsichernd sein. Unser Team steht Ihnen mit medizinischer Kompetenz, Erfahrung und viel Einfühlungsvermögen zur Seite. Gemeinsam entwickeln wir den bestmöglichen Behandlungsweg für Ihr Kind – individuell, ganzheitlich und auf dem neuesten Stand der Medizin.

Bei Fragen oder zur Vereinbarung eines Beratungstermins kontaktieren Sie uns gern telefonisch oder über unser Kontaktformular.

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