Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung wird stets individuell auf das Alter, das Fortschreiten der Krümmung und die Ursache abgestimmt. In unserer Abteilung bieten wir das gesamte Spektrum moderner Skoliose-Therapien an:
Nichtoperative Maßnahmen
- Risser-Cast-Therapie: spezielles Redressionsverfahren, bei dem in wiederholten Gipsserien eine schrittweise Korrektur der Krümmung erfolgt – v. a. bei sehr jungen Kindern mit frühkindlicher Skoliose geeignet
- Korsettbehandlung: individuell gefertigtes Korsett zur Wachstumslenkung – entscheidend ist das konsequente Tragen
Operative Maßnahmen
Wenn eine konservative Therapie nicht ausreicht oder die Krümmung deutlich zunimmt, kann ein chirurgischer Eingriff notwendig werden. Die operative Behandlung richtet sich nach dem Alter, dem Wachstumspotenzial und der Art der Skoliose. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen mitwachsenden Systemen und der definitiven Korrektur und Stabilisierung.
Mitwachsende Systeme
Bei Kindern mit frühkindlicher Skoliose steht die Vermeidung einer frühzeitigen definitiven Spondylodese im Vordergrund, da diese nachweislich das Wachstum der Wirbelsäule und des Thorax einschränken und zu erheblichen Lungenfunktionsstörungen führen kann. Wachstumserhaltende Verfahren sollen die Deformität kontrollieren und gleichzeitig das Längenwachstum der Wirbelsäule sowie die thorakale Entwicklung ermöglichen.
In unserer Klinik erfolgt bei starken oder rigiden Krümmungen (z. B. bei Cobb-Winkeln über 75°, signifikanter Kyphose oder geringer Flexibilität der Krümmung) vor der ersten Operation eine Halo-Extensionstherapie. Diese dauert in der Regel 4–6 Wochen und wird mit bis zu 60 % des Körpergewichts durchgeführt. Ziel ist eine Vorbehandlung zur Verbesserung der Korrekturmöglichkeit, Reduktion der OP-Komplikationen und bessere Ausgangslage für das mitwachsende Implantat.
Indikationen:
- Skoliose im frühen Kindesalter mit rascher Progredienz (>50-60° nach Cobb)
- Bedrohung der Lungenentwicklung durch enge Brustkorbverhältnisse
- erfolglose oder nicht tolerierte konservative Therapie
- kongenitale, neuromuskuläre oder syndromale Ursachen
Systeme im Überblick:
- TGR (Traditional Growing Rods): Manuell verlängerbare Stäbe, die beidseits der Wirbelsäule fixiert werden und über Konnektoren verbunden werden. In regelmäßigen Abständen (alle 6 Monate) erfolgt eine Verlängerung durch kleine Folgeeingriffe in Narkose.
- VEPTR (Vertical Expandable Prosthetic Titanium Rib): Entwickelt zur Behandlung kongenitaler Skoliosen mit begleitender Thoraxdeformität und Rippenfusion. Das Implantat besteht aus einer inneren und äußeren Schiene, welche sich ineinander teleskopartig verschieben und mit einer speziellen Klammer verriegelt wird. Das System ist besonders geeignet bei Thoraxinsuffizienzsyndrom, kongenitalen Deformitäten oder auch bei neuromuskulären und syndromalen Skoliosen mit Rippen-Becken Verankerungerung (“Eiffeltower- Konstruktion”)
- MAGEC-System: Magnetisch verlängerbare Stäbe, die extern über ein Steuergerät ambulant verlängert werden können – ohne wiederholte Operationen. Deutlich reduzierter Aufwand und geringere psychische Belastung für das Kind. Die Stäbe sollten jedoch nach 2-3 Jahren ausgetauscht werden, da sie einerseits an Distraktionskraft verlieren und Komplikationen nach über 2 Jahren zuzunehmen scheinen.
- NEMOST-System: Ein neues System mit automatischer Verlängerung. Ein Einweg-Selbstverlängerndes System bei dem kein externer Antrieb notwendig ist und keine Folgeeingriffe.
Besonderheiten & Verlauf:
- Die mitwachsenden Systeme erfordern über die Jahre meist mehrere Eingriffe zur Anpassung, ggf. auch zum Wechsel von Komponenten.
- Während der gesamten Wachstumsphase werden regelmäßige Kontrollen durchgeführt.
- Endgültige Versorgung: Nach Abschluss des Längenwachstums erfolgt in der Regel eine definitive operative Korrektur und Stabilisierung, um eine dauerhafte Begradigung und Belastbarkeit der Wirbelsäule zu gewährleisten.
Definitive operative Korrektur und Stabilisierung
Diese erfolgt bei Jugendlichen mit abgeschlossener oder weit fortgeschrittener Knochenreife. Ziel ist die dauerhafte Korrektur der Wirbelsäulenverkrümmung bei gleichzeitig stabiler Fixation.
- Korrektur-Spondylodese Korrektur der Krümmung und stabile Fusion der betroffenen Wirbelsegmente, je nachdem auf welcher Wirbelsäulenhöhe die Deformität vorliegt, nutzen wir hier “dorsale/hintere” oder auch “ventrale/vordere” Zugänge - operieren also über den Rücken, den Bauch oder auch den Brustkorb.
Socials