Der Begriff Infantile Zerebralparese (oder Cerebralparese) fasst Bewegungsstörungen zusammen, die durch eine frühkindliche Hirnschädigung entstehen. Je nachdem, wie stark und wo genau das Gehirn geschädigt wurde, unterscheiden sich die Bewegungsstörungen stark. Beispiele sind Hypotonie (Mangel an Muskelspannung), Spastik (erhöhte Eigenspannung der Skelettmuskulatur), Athetose Bewegungsstörungen (nicht beabsichtigte, langsame, schraubenartige Bewegungen an Händen und Füßen), dystone Bewegungsstörungen (Verkrampfungen und Fehlhaltungen z.B. des Kopfes), Ataxie (Koordinationsstörungen) sowie Mischformen. Ist nur eine Körperseite betroffen, spricht man von Hemiparese, sind vorwiegend die Beine betroffen von Diparese. Die schwerste Bewegungsstörung ist die Tetraparese, bei der neben Armen und Beinen auch Rumpf- und Halsmuskeln betroffen sind. Neben den Bewegungsstörungen kann die Hirnschädigung auch andere Folgen haben. Hierzu zählen zum Beispiel Anfälle, Wahrnehmungs- sowie Seh- und Hörstörungen. Außerdem können die Intelligenz vermindert und die Entwicklung verzögert sein.

Untersuchung

Um den Verdacht auf eine Infantile Zerebralparese eindeutig abzuklären, führen wir nach einem ausführlichen Gespräch mit den Eltern eine umfassende körperliche Untersuchung durch. Hierbei stellen wir den aktuellen Entwicklungsstand fest und machen uns gleichzeitig ein Bild davon, wie beweglich einzelne Gelenke sind und wie koordiniert Bewegungen ablaufen. Um Art und Ausmaß einer eventuellen Hirnschädigung beurteilen zu können, greifen wir außerdem auf Röntgenuntersuchungen zur Analyse des Knochenwachstums, Ultraschalluntersuchungen , EEG sowie MRT zurück. Hinzu kommen spezielle Laboruntersuchungen. 

Behandlung

Das Therapiekonzept bei Zerebralparese besteht aus vielen Facetten, die darauf ausgerichtet sind, Muskelverkürzungen aufzuhalten oder sogar zu verringern. Denn durch anhaltende Bewegungsstörungen und Lähmungen verkürzen sich die Muskeln, was wiederum die Beweglichkeit der Gelenke an Armen und Beinen einschränkt und in fortgeschrittenem Stadium auch Verrenkungen zur Folge haben kann. Muskelverkürzungen werden zusätzlich dadurch begünstigt, dass spastische Muskeln nicht mit dem normalen Wachstum des Knochens mithalten können: Da spastische Muskeln meist angespannt sind und selten gedehnt werden, diese Dehnung aber entscheidend für das Faserwachstum ist, wachsen sie nicht ausreichend. Im Gegenzug sind die Gegenspieler der verkürzten Muskeln, die sogenannten Antagonisten, oft überdehnt und schwach. Im Bereich der Beine sind Hüftbeuger, Adduktoren (heranziehende Muskeln), Kniebeuger und Wadenmuskeln typischerweise verkürzt während Hüftstrecker, Hüft-Abspreizer, Kniestrecker und Fußheber meist überdehnt und schwach sind.

Zur Behandlung bei Zerebralparese gehören Krankengymnastik, je nach Art und Ausmaß der Funktionseinschränkungen auch manuelle Therapie, Ergotherapie oder  Logopädie. Auch orthopädietechnische Hilfsmittel und Medikamente kommen normalerweise zum Einsatz. Operationen sind ebenfalls wichtiger Bestandteil des Behandlungskonzeptes und können – rechtzeitig eingesetzt – viele Funktionsstörungen bessern, Fehlbildungen beseitigen oder schwere Folgeschäden verhindern.

Behandlungsverfahren

Krankengymnastik

Die physiotherapeutische Behandlung sollte so früh wie möglich – idealerweise direkte nach der Diagnose – beginnen, um körperliche Funktionen zu erhalten und nach Möglichkeit zu verbessern. Besonders eignen sich die Behandlungsformen nach Bobath oder Vojta. Physiotherapie nach Bobath hat das Ziel, durch z.B. Stell- und Gleichgewichtstraining normale Bewegungsmuster und  -erfahrungen zu vermitteln und krankhafte Körperhaltung und Bewegungsabläufe zu hemmen. Bei der Behandlung nach Vojta werden Reflexe genutzt, um elementare Bewegungsmuster wieder zugänglich zu machen.  

Stehtraining (Frühzeitige Vertikalisierung)

Das Stehtraining wirkt nicht nur  Muskelverkürzungen und Gelenkfehlstellungen entgegen, es hat auch günstige Einflüsse auf die psychosoziale Entwicklung und fördert darüber hinaus die Funktion von Blase und Mastdarm sowie das Kreislaufsystem. Der frühzeitige Knochenabbau wird vermieden, die Entwicklung der Gelenke gefördert. 

Orthopädietechnische Hilfsmittel

Durch Lagerungsschienen und Orthesen werden verkürzte Muskeln kontinuierlich gedehnt. Dieser Dehnungsreiz regt das Muskelfaserwachstum an, so dass Gelenkfehlstellungen verhindern können. Damit die Kinder die Hilfsmittel gut akzeptieren und dauerhaft tragen, empfehlen wir, mit der Versorgung schon frühzeitig zu beginnen.

Botulinum-Toxin-A („Botox“)

Dieses Medikament wird in einen verkürzten Muskel injiziert und führt zu einer vorübergehenden Lähmung des betreffenden Muskels. In diesem Zustand legen wir dann therapeutische Gipse und Lagerungsschienen an und intensivieren die Krankengymnastik. In vielen Fällen reduziert sich hierdurch die Spastik, die verkürzten Muskelfasern verlängern sich. Gute Ergebnisse erzielt diese Therapie vor allem bei Kindern in den ersten sechs Lebensjahren. 

Operationen

Trotz der beschriebenen Maßnahmen entstehen fast immer – häufig zwischen dem fünften und achten Lebensjahr – funktionsbeeinträchtigende Muskelverkürzungen an den Beinen. Oft sind mehrere Muskeln betroffen: Die Kinder können Hüften und Knie nicht mehr richtig strecken, haben die Tendenz, ihre Beine zu überkreuzen oder haben im Stand keinen Bodenkontakt mit der Ferse mehr. Stehen oder Gehen gelingen daher nur noch mit Mühe.

Operative Maßnahmen können helfen, Fehlbildungen und Verrenkungen zu vermeiden bzw. zu korrigieren, das Muskelgleichgewicht wiederherzustellen und so die Bewegungsfähigkeit zu erhalten oder sogar zu verbessern. 

Bei vielen Kindern empfehlen wir als Operationszeitpunkt das sechste Lebensjahr: die Kinder haben dann bereits ein erstes grundlegendes Verständnis, warum der Eingriff mit der anschließenden intensiven Rehabilitation nötig ist.

Operationen dienen zum einen dazu, Muskeln zu verlängern, manchmal auch zu verlagern. Nach dem Eingriff ist eine Ruhigstellung (Immobilisation) von zehn bis 14 Tagen nötig, danach folgt die erste Mobilisation und eine sechswöchige intensive Rehabilitation. In dieser Zeit spielen orthopädische Hilfsmittel eine zentrale Rolle. Nach Verlängerungen der Wadenmuskulatur oder der Kniebeuger setzen wir zum Beispiel lange dynamische Unterschenkelschienen ein, die im Stand oder Gehen eine Fersenbelastung ermöglichen, eine erneute Verkürzung der Muskeln verhindern und gleichzeitig verhindern, dass der Fußheber-Muskel überdehnt bzw. geschwächt wird.

Operationen zur Muskelverlängerung bieten sich insbesondere für Patienten an, die frei oder unterstützt gehen können. Bei nicht gehfähigen Patienten kann eine solche Operation ein unterstütztes Stehen ermöglichen.

Darüber hinaus lassen sich mit modernen operativen Verfahren auch Verrenkungen korrigieren, die in Folge der gestörten Bewegungsmuster leider oft an Hüften bzw. Sprung- und Fußgelenken auftreten. Insbesondere Hüftluxationen führen oft zu erheblichen Schmerzen und begünstigen weitere Abweichungen.  Auch Fehlstellungen der Wirbelsäule (Skoliosen), die ebenfalls zu erheblichen Beeinträchtigungen führen können, operieren wir in unserer Abteilung mit großer Erfahrung.

Liebe Eltern,

in unserer Klinik beraten wir Sie bei allen Ausprägungen der kindlichen Zerebralparese. Der Schwerpunkt unserer orthopädischen Abteilung liegt im Bereich der Korrekturoperationen einschließlich schonender endoskopischer Techniken. Unsere erfahrenen Operateure erläutern Ihnen gern, welche Operationstechniken im individuellen Fall in Frage kommen – vereinbaren Sie gern einen Termin in unserer orthopädischen Sprechstunde.

Sprechstunden

Terminvergabe

Liebe Eltern,
für einen Termin in unseren Sprechstunden benötigen wir eine Überweisung durch einen Orthopäden oder Chirurgen. Bei Kindern mit Behinderungen (z.B. Zerebralparese) oder auch bei angeborenen Deformitäten, seltenen Erkrankungen und Skoliosen über 20° erfragen Sie bitte bei Terminvergabe, welche Überweisung Sie von welchem Facharzt mitbringen müssen. Bitte bringen Sie diese ebenso mit wie eventuell bereits vorhandene Röntgen-, MRT- oder CT-Bilder. 

Der Abteilungsleiter, Prof. Dr. Stücker, verfügt über eine KV-Ermächtigung zur Indikationsstellung für operative Versorgungen aller kinderorthopädischer Krankheitsbilder und zur Behandlung mehrfach behinderter Patienten sowie für Patienten mit komplexen Deformitäten. Außerdem besteht eine Ermächtigung zur Behandlung spastischer Bewegungsstörungen mit Botulinumtoxin. Für Privatpatienten bestehen keine Einschränkungen.

Terminvergabe:
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Für organisatorsiche Fragen (keine Termine für die ambulante Sprechstunde) können Sie sich auch gern an das Sekretatriat, Tel.: 040 88908 382, wenden.

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