Vereinfacht gesagt ist die Wirbelsäule bei einer Skoliose seitlich verbogen und gleichzeitig verdreht. Das sagt eigentlich auch schon der Name der Erkrankung aus, denn das griechische Wort „skolios“ bedeutet „krumm“.

Skoliosen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein: Von leichten Abweichungen bis zu schweren Verformungen, die auf den ersten Blick sichtbar sind – zum Beispiel durch eine hängende Schulter, einen einseitigen „Rippen-Buckel“ oder ein scheinbar kürzeres Bein. Je nach Ausprägung unterscheiden sich natürlich auch die Auswirkungen, die eine Skoliose auf Deinen Alltag haben kann. Durch die Verformung ist Deine Wirbelsäule meist schlechter bzw. weniger beweglich – es gibt aber Patienten, denen eine leichte Skoliose keinerlei Schmerzen oder Probleme bereitet. Durch die Verkrümmung kann es aber auch zu ständig verspannten Muskeln und dadurch zu Schmerzen im Rücken-, Schulter- und Nackenbereich sowie Kopfschmerzen und / oder Schmerzen in den Beinen, insbesondere Knie- und Fußgelenken, kommen.  In schweren Fällen kann die Verkrümmung der Wirbelsäule sogar innere Organe wie Deine Lunge oder Dein Herz in Mitleidenschaft ziehen. 

Unterschiedliche Formen der Skoliose

Mediziner unterscheiden verschiedene Skoliose-Formen:

Die häufigste ist die idiopathische Skoliose. Der Begriff „idiopathisch“ bedeutet, dass man auch nach gründlicher Untersuchung und Analyse keinen Grund für den Beginn einer Skoliose feststellen kann.

Früh einsetzende Skoliosen unterhalb des 10. Lebensjahres bezeichnet man heute als „Early Onset Skoliosen“ (EOS). Die Prognose ist in der Regel ungünstig, so dass früh einsetzende Therapieverfahren erforderlich sind.

Als Adoleszentenskoliosen bezeichnet man Skoliosen, die zum Zeitpunkt des Wachstumsschubes, also zwischen 11. und 13. Lebensjahr beginnen. 

Weitere, aber deutlich seltenere,  Skoliose-Formen sind angeborene Skoliosen und neuromuskuläre Skoliosen, die auf eine Erkrankung von Muskeln und Nervensystem zurückgehen. Dazu kommen auch noch Skoliosen bei seltenen Erkrankungen, die in der Regel leider auch keine sehr günstige Prognose haben.

Untersuchung

Unsere erfahrenen Ärzte können eine Skoliose meist schon bei der körperlichen Untersuchung erkennen - sie schauen Dich also ganz genau an, tasten Deine Wirbelsäule ab und bitten Dich wahrscheinlich, bestimmte Bewegungen zu machen. Mit Hilfe von Röntgenuntersuchungen können wir den Verdacht auf eine Skoliose bestätigen.

Behandlung ohne Operation

Die Behandlung einer Skoliose ist sehr individuell – das bedeutet, dass unsere Ärzte gemeinsam mit Dir und Deinen Eltern das Behandlungsverfahren aussuchen, das am besten für Dich geeignet ist. Dabei schauen wir auf Art und Schweregrad Deiner Skoliose, Dein Alter und weitere Faktoren. Hier stellen wir Dir verschiedene konservative Behandlungsverfahren - also solche ohne Operation - kurz vor: 

  • Im besten Fall – wenn Du keine Probleme und Beschwerden hast – ist gar keine Behandlung nötig. Auch dann solltest Du Dich aber regelmäßig gründlich untersuchen lassen, da sich die Skoliose während des Wachstums in relativ kurzer Zeit deutlich verändern kann. 
  • Fast immer empfehlen wir Dir ein krankengymnastisches Übungsprogramm. Hierbei kräftigst Du unter Anleitung gezielt die durch die Skoliose überdehnten Muskeln, damit sie der Verkrümmung und Verdrehung entgegen wirken können.
  • Manche Kinder mit einer Skoliose müssen auch ein speziell für sie hergestelltes Korsett tragen:
    • Die idiopathische Säuglingsskoliose verläuft meist positiv, bildet sich also wieder zurück. Verschlimmert sich die Skoliose aber trotz eines krankengymnastischen Übungsprogramms, ist eine Korsett-Behandlung erforderlich. Wenn möglich begradigen wir die Verkrümmung zunächst in einer Narkose. Anschließend legen wir ein nicht abnehmbares Kunststoff-Korsett an, das für vier Wochen getragen wird. Diese Behandlung kann wiederholt oder durch ein individuelles Korsett vom Orthopädietechniker ergänzt werden.
    • Für die kindliche, jugendliche bzw. heranwachsenden-Skoliose nutzt man üblicherweise ab einer Verkrümmung von 25 Grad und bei nachweislicher Verschlechterung eine Korsett-Behandlung. Nur so können wir verhindern, dass sich Deine Wirbelsäule während des Wachstums weiter verkrümmt. Das bedeutet aber, dass Du das Korsett möglichst 23 Stunden pro Tag tragen musst. Wir wissen, dass das nicht immer einfach ist – aber nur wenn Du das Korsett über einen langen Zeitraum dauerhaft trägst, können wir die Verkrümmung Deiner Wirbelsäule aufhalten und verbessern! Deshalb bist Du selbst ganz enorm wichtig für den Behandlungserfolg!

Operationsverfahren

Auch eine Operation kommt als Behandlungsverfahren in Frage – vereinfacht kann man sagen, dass Skoliosen ab einer Verkrümmung von 45 Grad operiert werden sollten. Angeborene Skoliosen müssen meist ebenfalls mit einer Operation behandelt werden, da sie durch eine Störung in der Entwicklung der Wirbelsäule entstehen, die ohne Operation nur selten behoben werden kann. Wir operieren bei einer angeborenen Skoliose möglichst früh, um zu verhindern, dass sich die Wirbelsäule weiter verkrümmt und eventuell zusätzliche Probleme auslöst. Auch bei neuromuskulären Skoliosen – also solchen, die auf eine Erkrankung an Muskeln und Nervensystem wie zum Beispiel die so genannte „Muskeldystrophie Duchenne“ zurückgehen – müssen wir Dich meist operieren, um Dir zu helfen. Auch hier gilt, dass sehr frühe Operationen meist bessere Ergebnisse bringen, da wir den Verkrümmungsprozess der Wirbelsäule aufhalten können.

Wichtig zu wissen ist, dass die modernen Operations- und Narkoseverfahren heute sehr sicher sind. Selbstverständlich erklären wir Dir und Deinen Eltern das Operationsverfahren vorher ganz genau und beantworten alle eure Fragen. Hier findest Du aber schon einmal ein paar erste Informationen zu einigen Operationsverfahren:

  • Spondylodese (Versteifung): Bei dieser Operation korrigieren wir die Form der Wirbelsäule soweit wie möglich. Um sie zu stabilisieren, müssen wir Abschnitte der Wirbelsäule versteifen, wozu wir die betroffenen Bereiche mit Implantaten (zum Beispiel Schrauben / Stäben) fixieren und Vorkehrungen treffen, damit die Wirbelkörper an den entsprechenden Stellen zusammenwachsen – zum Beispiel legen wir kleine Knochenspäne, die wir aus einem anderen Teil deines Körpers entnehmen, zwischen den Wirbelkörpern ein. Versteifen klingt erstmal schlimm – die geringere Beweglichkeit nach einer solchen Operation empfinden die meisten Patienten aber nicht wirklich als Einschränkung und in vielen Fällen ist die Gesamtbeweglichkeit kaum beeinträchtigt.
  • Operationsverfahren ohne Versteifung (so genannte „Non-Fusion-Techniken“): Diese in den letzten Jahren entwickelten Techniken können insbesondere bei jüngeren Kindern mit einer Skoliose gut eingesetzt werden. Wir setzen unter anderem folgende Verfahren ein:
  • Vertebral Body Tethering (VBT) Hierbei handelt es sich um ein ganz neues Verfahren, welches seit Anfang 2018 zugelassen ist. Es scheint geeignet für so genannte idiopathische Skoliosen mit mindestens 1-2 Jahren Restwachstum. Dabei werden minimal invasiv Schrauben in die Wirbelkörper eingebracht, die dann mit einem elastischen Band verbunden werden. Sofort nach der Operation besteht bereits eine deutliche Korrektur, dies sich dann im Laufe des Restwachstums weiterhin verbessert. Es handelt sich dabei um ein Verfahren ohne Versteifung. Geeignet ist es für Krümmungen zwischen 30-60 Grad und etwa ab dem 10. Lebensjahr. Eine anschließende Korsettversorgung ist nicht erforderlich, und sportliche Betätigungen können weiterhin durchgeführt werden. Bei vielen Kindern können durch dieses Verfahren spätere Versteifungsoperationen mit großer Wahrscheinlichkeit verhindert werden. Weitere Informationen hier.

  • Growing rods: Dieses Verfahren ist für Kinder zwischen dem fünften und zehnten Lebensjahr geeignet. Hierbei bringen wir sogenannte „growing rods“ (deutsch: „Wachstumsstäbe“) von hinten an der Wirbelsäule an. Hierzu implantieren wir im Bereich der Lendenwirbelsäule und im Bereich der Brustwirbelsäule Klammerkonstruktionen, die als Verankerung für fünf bis sechs Millimeter dicke Stäbe dienen. Früher mussten Kinder mit solchen Wachstumsstäben ca. alle sechs Monate operiert werden, um die Stäbe dem Wachstum anzupassen. Das ist heute zum Glück nicht mehr nötig, da wir die Implantate heute von außen durch den Einsatz eines speziellen Magneten verlängern können – Nachfolgeoperationen sind also nicht nötig.
  • Titanrippen (VEPTR-Verfahren): Dieses Verfahren wird zur Behandlung von Fehlbildungen des Brustkorbes und der Wirbelsäule genutzt. Verkrümmungen der Brustwirbelsäule sind oft besonders schwerwiegend, da sie die Lungenfunktion und damit Lebensqualität und Leistungsfähigkeit stark beeinflussen. Ziel der Behandlung mit vertikalen Titanrippen ist es, die Fehlbildung zu korrigieren und gleichzeitig das weitere Wachstum der Wirbelsäule zu ermöglichen. Im Rahmen der Operation werden die Titanrippen zwischen den Ansatzpunkten (Rippe-Rippe, Wirbelsäule-Rippe oder Becken-Rippe) teleskopartig aufgespannt. Hierdurch ziehen sie die Fehlbildung quasi auseinander und schaffen so im Brustkorb wieder Platz für die Entwicklung der Lungen. Gleichzeitig stabilisieren sie die Wirbelsäule. Titanrippen können nicht für alle Krankheitsbilder eingesetzt werden. Sie eignen sich insbesondere für  
    • Erkrankungen, bei denen die Rippen zu wenig in die Breite wachsen (z.B.  Jeune-Syndrom oder Achondroplasie)
    • Erkrankungen, bei denen die Brustwirbelsäule nicht genug in die Länge wächst (z.B. Jarcho-Levin-Syndrom)
    • Schwere Skoliosen im frühen Kindesalter mit einer Kombination von Fehlbildungen der Wirbelsäule und des Brustkorbs (z.B. angeborene Skoliosen mit Rippenanomalien)
    • Neuromuskuläre (also das Muskel- und Nervensystem betreffende) Erkrankungen, die schon bei sehr jungen Kindern zu schweren Wirbelsäulendeformitäten führen (z.B. spinale Muskelatrophie oder Myelomeningozele). Bei vielen neuromuskulären Skoliosen kann man heute auch schon die magnetisch nachstellbaren Wachstumsstäbe einsetzen und so auf wiederholte Nachstellungsoperationen verzichten.

Je nach Erkrankung kommen unterschiedliche Operationsverfahren in Betracht. Diese erklären wir natürlich ausführlich im Aufklärungsgespräch.


Liebe Eltern,

eine Skoliose kann, muss aber nicht immer mit großen Einschränkungen verbunden sein. Um die richtige Behandlungsstrategie zu entwickeln, bedarf es großer Erfahrung. In unserem Wirbelsäulenzentrum am Altonaer Kinderkrankenhaus finden sie ausgewiesene Experten und erfahrene Operateure. Gern besprechen wir mit Ihnen alle Therapiemöglichkeiten und beraten Sie zu Ihren Fragen.

Sprechstunden

Terminvergabe

Liebe Eltern,
für einen Termin in unseren Sprechstunden benötigen wir eine Überweisung durch einen Orthopäden oder Chirurgen. Bei Kindern mit Behinderungen (z.B. Zerebralparese) oder auch bei angeborenen Deformitäten, seltenen Erkrankungen und Skoliosen über 20° erfragen Sie bitte bei Terminvergabe, welche Überweisung Sie von welchem Facharzt mitbringen müssen. Bitte bringen Sie diese ebenso mit wie eventuell bereits vorhandene Röntgen-, MRT- oder CT-Bilder. 

Der Abteilungsleiter, Prof. Dr. Stücker, verfügt über eine KV-Ermächtigung zur Indikationsstellung für operative Versorgungen aller kinderorthopädischer Krankheitsbilder und zur Behandlung mehrfach behinderter Patienten sowie für Patienten mit komplexen Deformitäten. Außerdem besteht eine Ermächtigung zur Behandlung spastischer Bewegungsstörungen mit Botulinumtoxin. Für Privatpatienten bestehen keine Einschränkungen.

Terminvergabe:
Bitte nutzen Sie unser Kontaktformular!
Tel.: 040 88908 702

Für organisatorsiche Fragen (keine Termine für die ambulante Sprechstunde) können Sie sich auch gern an das Sekretatriat, Tel.: 040 88908 382, wenden.

Allgemeine Sprechstunde Kinderorthopädie
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Schwerpunkte der Sprechstunde: Knochentumore, Knochenzysten, Weichteiltumore, Sarkome

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