Die Geschlechtsorgane sind die Organe des menschlichen Körpers, die der Fortpflanzung dienen – also besonders wichtig sind, wenn Du später selbst einmal Kinder haben möchtest. Die Geschlechtsorgane werden auch Genitalien genannt und in „äußere“ und „innere“ unterteilt. Das bedeutet einfach nur, dass man die äußeren Geschlechtsorgane außen am Körper sehen kann, die inneren Geschlechtsorgane befinden sich im Inneren Deines Körpers. Bei Jungs bilden Penis und Hodensack die äußeren Geschlechtsorgane, bei Frauen die Vulva.

Hier erklären wir Dir einige Fehlbildungen der äußeren Geschlechtsorgane, die wir in unserer Urologie behandeln

Hypospadie (Spaltfehlbildung des Penis)

Als Hypospadie bezeichnet man eine angeborene Fehlbildung der Harnröhre bei männlichen Neugeborenen. Die Harnröhre ist auf der Unterseite des Gliedes nicht komplett verschlossen, so dass sich die Öffnung der Harnröhre nicht an der Spitze der Eichel sondern näher am Körper befindet. Eine solche Fehlbildung ist gar nicht so selten, sie tritt ungefähr bei einem von 300 männlichen Kindern auf.

Bei einer Hypospadie raten wir oft zu einer operativen Korrektur. Schwerere Formen müssen operiert werden, damit der Betroffene normal Wasserlassen und später Kinder zeugen und Geschlechtsverkehr haben kann. Leichtere Formen können wir operieren, um ein normales Aussehen zu erreichen und so eventuellen späteren psychologischen Belastungen vorzubeugen. Das Ziel der Operation ist es, die Öffnung der Harnröhre in den Bereich der Eichel zu verlegen. Bei schweren Formen der Hypospadie muss die Harnröhre hierfür verlängert bzw. ersetzt werden. Damit das Kind gut Wasserlassen kann, muss eventuell auch die Öffnung der Harnröhre geweitet werden.

Als Zeitpunkt für die operative Korrektur empfehlen wir entweder das Zeitfenster zwischen dem neunten und fünfzehnten Lebensmonat (dann können sich die Kinder später kaum an die Operation erinnern und wachsen ohne Belastung durch die Fehlbildung auf) oder das Zeitfenster zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr – dann bekommst Du zwar schon mehr von dem Eingriff mit, kannst aber auch besser mitmachen. Zum Beispiel musst Du nach der Operation sehr vorsichtig sein und darfst das Operationsgebiet nicht berühren – das können wir einem sehr kleinen Kind natürlich noch nicht erklären. Wie genau das Operationsverfahren funktioniert, erklären wir Dir und Deinen Eltern in einem ausführlichen Aufklärungsgespräch, in dem wir auch alle eure Fragen beantworten. Du kannst Dir aber sicher sein, dass Du durch unsere modernen Narkoseverfahren und spezielle Schmerzbehandlung auch nach dem Eingriff kaum Schmerzen haben wirst.

Nach der Operation musst Du ein paar Tage bei uns im Krankenhaus bleiben, damit wir den Heilungsprozess beobachten und unterstützen können. Den Verband und den Bauchdeckenkatheter (über dieses kleine Röhrchen leiten wir während der Heilungszeit Deinen Urin ab) können wir in den meisten Fällen nach ungefähr drei bis sieben Tage nach der Operation entfernen. Damit Du dabei keine Schmerzen hast, bekommst Du ein Schmerzmittel und ein Bad, wodurch sich der Verband besser ablösen lässt. Sobald Du wieder problemlos allein wasserlassen kannst, darfst Du wieder nach Hause. Wenn wir die verkürzte Harnröhre während der Operation mit eigener Schleimhaut wieder aufbauen mussten, dauert der Heilungsprozess etwas länger. Du musst aber nicht die ganze Zeit bei uns in der Klinik bleiben sondern darfst mit dem Bauchdeckenkatheter nach Hause. Nach ca. drei Wochen kommst Du noch einmal ambulant (also nur tagsüber) zu uns in die Klinik. Dann kontrollieren wir, ob alles gut verheilt ist und entfernen den Katheter. Die Fäden müssen wir übrigens nicht ziehen – sie lösen sich nach zwei bis drei Wochen von allein auf.

Zu Hause solltest Du Dich erstmal schonen. Sport und auch Vollbäder solltest Du für einige Wochen vermeiden. Mit einem Kamillenbad des Operationsbereiches kannst Du die Wundheilung unterstützen. Vier bis sechs Wochen nach der Operation kommst Du zur Nachkontrolle zu uns; bis zum Ende der Pubertät kontrollieren wir außerdem einmal jährlich, ob sich alles gut entwickelt und Du keine Probleme mehr hast.

Liebe Eltern,

die Korrektur einer Hypospadie ist ein anspruchsvoller operativer Eingriff. Unsere Spezialisten hier im Altonaer Kinderkrankenhaus haben große Erfahrung und beraten Sie gern zu allen Fragen rund um die Operation. Eine ausführliche Erläuterung zum Operationsverfahren finden Sie bei operation.de, zu deren Autorenkreis Frau Prof. Dr. Fisch und Frau Dr. Riechardt zählen.

Phimose (Vorhautverengung)

Als Phimose bezeichnen wir in der Medizin eine Vorhautverengung: Die Vorhaut des Penis lässt sich nicht genug weiten oder dehnen und daher gar nicht oder nur unter Schmerzen hinter die Eichel ziehen. Ganz ähnliche Folgen hat eine Vorhautverklebung, bei der die Zellschichten auf der Innenseite der Vorhaut und der Eichel „zusammenkleben“. Bei Babys ist eine Phimose zunächst ganz normal und muss nicht behandelt werden – in der überwiegenden Mehrheit der Fälle bildet sie sich bis ungefähr zum dritten Lebensjahr von allein zurück.

Eine Phimose kann aber auch zu Schmerzen, häufigen Infektionen oder kleinen Einrissen und Narben führen – in diesen Fällen empfehlen wir eine Beschneidung zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr. Wenn allerdings Eichel und Vorhaut häufig entzündet sind oder begleitende Fehlbildungen des Harntrakts (z.B. vesikoureterorenaler Reflux) hinzukommen, raten wir zu einem früheren Eingriff.  Die Beschneidung wird in Vollnarkose durchgeführt, kann aber ambulant, also ohne Übernachtung in der Klinik, erfolgen. Hierzu wird das Kind nach der Operation in unserem Aufwachraum überwacht und kann – nachdem es einmal ohne Probleme Wasser gelassen hat – nach Haus. Nach dem Eingriff können Sie die Wundheilung unterstützen indem Sie zu Hause regelmäßige Kamillenbäder durchführen. Diese helfen auch, eventuelles Brennen beim Wasserlassen zu mindern, bei Bedarf geben wir auch milde Schmerzmittel mit. Da wir selbstauflösendes Nahtmaterial verwenden, müssen keine Fäden gezogen werden.

Selbstverständlich informieren wir Sie, liebe Eltern, vor dem Eingriff gemeinsam mit unseren Anästhesisten detailliert über die Operation und eventuelle Risiken. Die Beschneidung (oder medizinisch: Zirkumzision) gehört zu den absoluten Standard-Operationen in der Kinderurologie. Dennoch sollten Sie einer erfahrenen Kinderklinik mit den entsprechenden kindgerechten Rahmenbedingungen, wie Sie sich bei uns im Altonaer Kinderkrankenhaus finden, den Vorzug geben.

Bei einer nicht-narbigen Vorhautverengung bzw. -verklebung kann eventuell auch über mehrere Wochen eine kortikoidhaltige Salbe eingesetzt werden. Um hierbei gute Behandlungserfolge zu erzielen, ist es sehr wichtig, dass Eltern und Kind gut mitarbeiten und z.B. mehrmals täglich die Vorhaut zurückziehen.

Hodenhochstand

Der Hodenhochstand ist die häufigste Fehlbildung der männlichen Geschlechtsorgane – ca. drei bis fünf Prozent aller Kinder sind betroffen. Er verursacht zwar keine direkten Schmerzen, geht aber mit einigen Risiken einher. So kann ein unbehandelter Hodenhochstand die spätere Zeugungsfähigkeit beeinträchtigen und erhöht darüber hinaus die Risiken für eine Hodenverdrehung und auch einen Hodentumor.

Die Hoden entstehen auf Höhe der Nieren und wandern während der Entwicklung des ungeborenen Kindes an der hinteren Bauchwand entlang durch den Leistenkanal bis in den Hodensack. Kommt diese „Wanderung“ zu irgendeinem Zeitpunkt zum Stillstand, entsteht ein Hodenhochstand. Dieser muss nicht zwangsläufig sofort behandelt werden: Bis zum sechsten Lebensmonat kann es noch zu einem spontanen Abstieg des Hodens kommen. Ist dies nicht der Fall, empfehlen wir allerdings, kurzfristig mit der Behandlung zu beginnen, damit sie bis zum Ende des ersten Lebensjahres abgeschlossen ist.

Je nach Lage unterscheiden Mediziner Pendelhoden, die sich hauptsächlich im Hodenfach befinden, von Leistenhoden, die sich hauptsächlich in der Leiste befinden. Da bei Pendelhoden das Risiko besteht, dass sie wieder in die Leiste aufsteigen, müssen wir sie regelmäßig kontrollieren. Bei Leistenhoden empfehlen wir in jedem Fall eine Operation. Ebenfalls operativ korrigiert werden müssen sogenannte ektope Hoden, bei denen der Hoden an der Peniswurzel, der Oberschenkelinnenseite oder im Dammbereich liegt, sowie der Kryptorchismus, bei dem der Hoden  sich im Bauchraum befindet und zumeist erst mit Hilfe einer Laparoskopie (Bauchspiegelung) gefunden werden muss.

Wie genau der operative Eingriff erfolgt, hängt natürlich von der Lage des Hodens ab. Weit über 90 Prozent aller Hochstände können wir allerdings dauerhaft behandeln, in dem wir den Hoden mit Hilfe eines kleinen Schnittes in der Leiste in den Hodensack verlagern und dort befestigen. Wenn der Eingriff einseitig durchgeführt wird, können wir ambulant – also ohne Übernachtung in der Klinik – operieren. Bei einem beidseitigen Eingriff ist ein stationärer Aufenthalt von einer Nacht üblich. Gerade bei kleinen Kindern ist die Mitaufnahme eines Elternteils natürlich möglich. Nach dem Eingriff sollten Sie Druck auf den Dammbereich (z.B. durch Bobby-Car-Fahren, Wippen oder ähnliches) für einige Wochen vermeiden, für ca. zwei Wochen sollten Sie ihr Kind auch nicht baden. In jedem Fall sollte auch nach dem Eingriff eine regelmäßige Kontrolle in der Klinik durchgeführt werden, um eventuelle negative Entwicklungen frühzeitig zu entdecken und behandeln zu können.

Eventuell empfehlen wir Ihnen ergänzend zum operativen Eingriff auch eine Hormontherapie, die zwischen dem achten bis zehnten Lebensmonat beginnen sollte und über die Dauer von vier Wochen mit Hilfe eines Nasensprays erfolgt. Die Hormontherapie kann unter Umständen einen Abstieg des Hodens bewirken, ist aber in jedem Fall geeignet, um die spätere Zeugungsfähigkeit zu verbessern.

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Liebe Eltern,

wenn Sie Ihr Kind in unserer kinderurologischen Sprechstunde vorstellen möchten, benötigen Sie einen Überweisungsschein des Kinderarztes. Zu den unten genannten Zeiten erreichen Sie die Kollegen in der Anmeldung für die Terminvergabe.

Die Leitende Ärztin Frau Prof. Dr. Fisch und die leitende Oberärztin Frau Dr. Riechardt verfügen über eine volle KV-Ermächtigung zur Behandlung aller Kinder und jungen Erwachsenen mit angeborenen Fehlbildungen.

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