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Unter Deformitäten der Brustwand verstehen wir die Abweichung der Brustwand vom normalen Erscheinungsbild. Circa eines von 300 Kindern hat eine Brustwanddeformität – wobei die Ausprägungen und damit auch die ggf. entstehenden Einschränkungen sehr unterschiedlich sind. Brustwanddeformitäten gehen vermutlich auf eine Stoffwechselstörung des Rippenknorpels zurück. Die Forschung vermutet, dass die Neigung zu Kiel- oder Trichterbrust erblich ist, da die Deformitäten familiär gehäuft auftreten. Außerdem treten Brustwanddeformitäten häufiger in Zusammenhang mit anderen Erkrankungen wie z.B. dem Marfan-Syndrom (eine Bindegewebserkrankung), dem Poland-Syndrom (eine Fehlbildung des Brustmuskels) oder dem fetalen Alkohol-Syndrom auf.  Aber auch andere Erkrankungen, wie eine Pleuraschwarte (Verdickung des Rippenfells), Vitamin-D Mangel oder operative Eingriffe an der Brustwand oder dem Zwerchfell können zu Brustwanddeformitäten führen.

Die häufigsten Formen sind die Trichterbrust (Pectus Excavatum) und die Kielbrust (Pectus Carinatum): Bei der Trichterbrust sind das Brustbein sowie die angrenzenden knorpeligen Anteile „eingesunken“, so dass der Brustkorb wie ein Trichter aussieht. Eine Trichterbrust kann symmetrisch (also gleichförmige) oder asymmetrische (also ungleichmäßig) auftreten. Meist erkennt man eine Trichterbrust schon in der frühen Kindheit, mit der Pubertät und den begleitenden Wachstumsschüben verstärkt sich die Trichterbrust aber häufig. Auch die Kielbrust, eine kielförmige Vorwölbung des Brustkorbs, ist oft schon bei der Geburt im Ansatz erkennbar. Wie die Trichterbrust kann auch die Kielbrust sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein und verstärkt sich meist mit dem Wachstumsschub während der Pubertät.

Untersuchung

Wenn Du eine Verformung des Brustkorbes hast, untersuchen wir Dich zunächst körperlich, schauen uns also Deinen Brustkorb genau an und vermessen ihn. Mit Hilfe dieser Untersuchungen verschaffen wir uns ein Bild der Kiel- oder Trichterbrust und messen ggf. auch die Tiefe des Trichters aus.

Darüber hinaus empfehlen wir Dir in den meisten Fällen eine Lungenfunktionsuntersuchung, mit der wir feststellen können, ob die Verformung Deine Lungen bzw. Deine Atmung beeinflusst. Auch eine Echokardiographie (eine Ultraschalluntersuchung des Herzens) ist wichtig, da ausgeprägte Veränderungen des Brustkorbs auch Einfluss auf die Aktivität Deines Herzens haben können.

Mit einer CT- oder MRT-Untersuchung können wir uns ein noch genaueres Bild von Deinem Brustkorb machen und die Ausprägung der Kiel- oder Trichterbrust berechnen und einordnen. Mit Hilfe der Bilder aus CT oder MRT können wir außerdem eine ggf. nötige Operation besser planen, da wir den Aufbau Deines Brustkorbs sehr genau sehen können.

Konservative Behandlung

Bei einer Trichterbrust kommt als konservative Behandlung – also ohne operativen Eingriff – eine Saugglocken-Therapie in Frage: Auf die Trichterbrust wird eine Saugglocke aus orthopädischem Silikon platziert, die durch einen Unterdruck den Brustkorb allmählich anhebt. Ähnlich wie bei einer Zahnspange musst Du die Saugglocke aber regelmäßige (täglich für ein bis drei Stunden) anwenden, damit das Verfahren Erfolg haben kann.

Bei der Kielbrust ist eine individuell nach Maß hergestellte Orthese, die auf Brust und Rücken drückt und somit eine Korrektur der Kielbrust herbeiführt, eine Möglichkeit. Auch hier ist es entscheidend, dass Du die Orthese täglich trägst.

Mit Hilfe von regelmäßiger Physiotherapie können Fehlhaltungen und Schmerzen am Muskel-Skelett-System behandelt werden, auf die eigentliche Verformung des Brustkorbes hat sie aber keinen Einfluss.

Operative Behandlung

Eine Operation ist immer dann nötig, wenn

  • Veränderungen der Lunge erkennbar sind
  • Veränderungen des Herzens bzw. des Blutflusses aus dem Herzen nachgewiesen wurden
  • die Verformung so ausgeprägt ist, dass sich eine Verkrümmung (Kyphoskoliose) der Wirbelsäule oder eine erhebliche Beeinträchtigung des äußeren Erscheinungsbildes des Brustkorbes ergibt.

Minimal-invasive Trichterbrustkorrektur (nach Nuss)
Für die operative Korrektur einer Trichterbrust nutzen wir nach Möglichkeit das von Donald Nuss entwickelte minimalinvasives Verfahren, bei dem wir die notwendigen Instrumente durch kleine Hautschnitte einführen. Ebenfalls durch die kleinen Hautschnitte führen wir einen individuell angepassten Metallbügel in den Brustkorb ein, den wir an den Rippen fixieren. Dieser Bogen hebt das Brustbein bzw. die verformten Rippenknorpel an, drückt sie nach außen und hält sie in der normalen Stellung. Neben den kleinen und daher unauffälligeren Operationszugängen ist ein weiterer Vorteil dieses Verfahrens, dass wir an Knochen und Knorpel selbst nicht operieren müssen. Wir empfehlen, die Operation nach dem Ende des Wachstums, also zwischen 16 und 20 Jahren durchzuführen. Etwa drei Jahre nach der Operation entfernen wir in einem zweiten Eingriff das Metallimplantat wieder.

Offene Trichterbrustkorrektur

Ist eine Trichterbrust sehr ungleichmäßig oder ungewöhnlich, greifen wir wenn nötig auf eine offene Operation, also mit einem Hautschnitt, zurück. Wir durchtrennen dann den verformten Knorpel neben dem Brustbein, richten das Brustbein auf und fixieren es. Zur Stabilisierung kommt auch hier ein Metallimplantat zum Einsatz, das ebenfalls in einem zweiten Eingriff wieder entfernt werden muss.

Nach der Operation

Wir wollen ehrlich zu Dir sein: Die Schmerzen nach einer Trichterbrust-Korrektur sind meist relativ stark. Schließlich will der Brustkorb gern wieder in seine gewohnte Stellung zurück, wird aber durch das Metallimplantat daran gehindert. Du musst diese Schmerzen aber nicht aushalten: Wir stehen Dir mit unseren spezialisierten Schmerztherapeuten und einem individuellen Konzept zur Behandlung Deiner Schmerzen zur Seite. Die meisten Patienten erhalten in den ersten drei bis fünf Tagen nach der Operation starke Schmerzmedikamente, danach können wir langsam auf eine leichtere Medikation wechseln. Nach circa drei Monaten ist das Implantat verwachsen und sollte keinerlei Schmerzen mehr verursachen – auch Sport ist dann wieder möglich. 

Sprechstunde

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Sprechstunde Brustwanddeformitäten

Terminvereinbarung:
Sekretariat der Kinderchirurgie im UKE
Frau Stöckel
Tel.: 040 7410 52717
s.stoeckel@uke.de

Bitte beachten Sie, dass Sie eine Überweisung vom niedergelassenen Kinderarzt benötigen.

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