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Ruhe bewahren und keinen Druck ausüben: Wenn Schulkinder nachts einnässen

02.09.2026

Ruhe bewahren und keinen Druck ausüben: Wenn Schulkinder nachts einnässen

Hamburg 02.09.2026Der Schulstart bringt für Kinder viele Veränderungen mit sich: eine neue Klasse, neue Lehrerinnen und Lehrer, andere Routinen und jede Menge neue Eindrücke. Für manche Kinder bedeutet diese Zeit auch mehr Stress – und plötzlich ist nachts wieder das Bett nass. Einnässen kann gerade im Schulalter für Kinder und Eltern belastend sein. Doch zunächst gilt: Ruhe bewahren. Denn wenn ein Kind mit fünf Jahren nachts noch nicht zuverlässig trocken ist, ist das keineswegs ungewöhnlich. Rund 10 bis 20 Prozent der Fünfjährigen nässen nachts noch ein.

„Der Schulstart kann für Kinder eine aufregende, aber zugleich auch belastende Zeit sein. Veränderungen und Stress können dazu führen, dass bereits erreichte Fortschritte vorübergehend wieder verloren gehen“, erklärt Dr. med. Thomas Henne, Oberarzt der Nephrologie am Altonaer Kinderkrankenhaus. „Wichtig ist, in dieser Situation keinen zusätzlichen Druck auf das Kind auszuüben.“ Dennoch kann es sinnvoll sein, das Einnässen ab einem Alter von fünf Jahren einmal kinderärztlich abklären zu lassen. Mit einfachen und für das Kind möglichst stressfreien Untersuchungen lässt sich feststellen, ob eine körperliche Ursache vorliegt oder ob die Blasenkontrolle einfach noch etwas Zeit benötigt. In den meisten Fällen sind die Befunde unauffällig. Entscheidend ist dann, das Kind auf seinem individuellen Weg zum Trockenwerden zu unterstützen – verständnisvoll und ohne Vorwürfe.

Mögliche Ursachen für Einnässen können unter anderem sein:

  • eine verzögerte Reifung der Blasenkontrolle und des Zusammenspiels zwischen Gehirn und Blase
  • eine angeborene Fehlbildung der Blase, der Harnleiter oder der Harnröhre
  • Fehlbildungen oder andere Erkrankungen des Rückenmarks, beispielsweise bei einer Spina bifida
  • eine gestörte Blasenfunktion
  • psychische oder emotionale Belastungen
  • Stress oder belastende Situationen zu Hause oder in der Schule

Dabei gilt: Nicht jedes Kind, das einnässt, braucht eine umfangreiche medizinische Behandlung. Die Abklärung hilft dabei, organische Ursachen auszuschließen und herauszufinden, welche Unterstützung im individuellen Fall sinnvoll ist. Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch mit der Familie. Zusätzlich können Fragebögen, ein Blasentagebuch und ein Beobachtungsprotokoll über mehrere Tage dabei helfen, das Trink- und Toilettenverhalten des Kindes besser einzuschätzen. 

Urotherapie – die Blase verstehen und Kontrolle lernen

Je nach Ursache und Situation kann eine sogenannte Urotherapie sinnvoll sein. Sie ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Blasenfunktionsstörungen und setzt auf Wissen, Wahrnehmung und praktische Übungen. Die Kinder lernen dabei gemeinsam mit ihren Eltern, wie eine gesunde Blase arbeitet. Sie üben, Körpersignale wahrzunehmen und besser einzuschätzen, wann die Blase voll ist. Der Therapieplan wird dabei immer individuell auf das Kind abgestimmt. 
Gerade zum Schulstart ist es wichtig, Kindern dabei Sicherheit zu geben und zusätzlichen Druck zu vermeiden. „Einnässen ist kein Grund für Scham und schon gar kein Grund, mit Angst in den neuen Schulalltag zu starten. Wenn Eltern gelassen und verständnisvoll reagieren und ihr Kind bei Bedarf frühzeitig unterstützen, kann der Schulstart trotz nächtlicher Überraschungen unbeschwert gelingen“, resümiert Dr. Henne.

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