Welche Form der Beatmung für Ihr Kind in Frage kommt, erklären wir Ihnen im persönlichen Gespräch detailliert. Hier stellen wir Ihnen aber schon einmal einige grundlegende Vor- und Nachteile verschiedener Beatmungsformen vor.

Beatmungsformen

Nicht-invasiv mit Maske

Diese Beatmungsform findet zunehmende Verbreitung – vor allem, wenn eine Beatmung nur im Schlaf erforderlich ist.

Vorteile:   

  • Es ist keine Operation notwendig
  • Die Maske kann abgenommen werden, so dass den Patienten der Beatmungsbedarf im Alltag nicht anzusehen ist

Nachteile:    

  • Es kann zu Irritation und Hautreizungen im Gesicht und am Kopf kommen, insbesondere wenn die Maske nicht optimal sitzt
  • Bei Infekten der oberen Atemwege wirkt diese Beatmungsform schlecht
  • Mit dem Wachstum muss die Maske stetig angepasst werden
  • Bei Säuglingen kann sich durch den Druck der Maske Wachstums des Gesichtsschädels verändern
Invasiv mit Tracheostoma

Dies ist der häufigste Weg der Langzeitbeatmung, insbesondere, wenn die Beatmung kontinuierlich und dauerhaft benötigt wird.

Vorteile:

  • Diese Beatmungsform bietet einen sicheren Atemweg
  • Eventuell in der Luftröhre abgelagerte Sekrete können abgesaugt werden
  • Eine geblockte Kanüle verhindert das Eindringen von Fremdstoffen in die Atemwege („Aspirationsschutz“)
  • Durch den geringeren Atemwegswiderstand wird die Spontanatmung erleichtert
  • Im Gesicht treten keine Reizungen oder Irritationen auf

Nachteile:

  • Zur Anlage eines Tracheostomas ist ein operativer Eingriff nötig
  • Das Sprechen lernen wird durch das Tracheostoma erschwert, außerdem kann es zu Schluckstörungen kommen
  • Ein Tracheostoma begünstigt Atemwegsinfektionen
  • Ein Tracheostoma ist immer sichtbar, was unter Umständen zu Ausgrenzungen oder sozialen Schwierigkeiten im Alltag führen kann


High-Flow

Diese Beatmungstechnik findet vor allem bei Verengung der Atemwege sowie bei Frühgeborenen mit einer chronischen Lungenerkrankung Anwendung.

Vorteile:   

  • Die High-Flow-Beatmung verursacht weniger Irritation im Gesicht als eine Beatmungsmaske
  • Die Bedienung ist sehr einfach
  • Im Gegensatz zur Beatmungsmaske sind keine Auswirkungen auf das Wachstum des Gesichtsschädels bekannt

Nachteile:  

  • Die Atmung wird lediglich unterstützt, nicht komplett übernommen
  • Es gibt wenig Erfahrung mit dem Einsatz dieser Beatmungsform außerhalb von Kliniken

 

Unterdruckkammer

Diese Beatmungsform mit Unterdruck nach dem Prinzip der Eisernen Lunge wird nur noch sehr selten angewendet – in Ausnahmefällen kommt sie bei Frühgeborenen mit chronischen Lungenerkrankung zum Einsatz.

Vorteile:    

  • Reizungen am Kopf oder Hals entstehen nicht
  • Atemwege oder Lungen werden nicht durch künstlichen Druck belastet
  • Das Wachstum des Brustkorbs wird gefördert

Nachteile:    

  • Die Beatmung in einer Unterdruckkammer geht mit stark eingeschränkter Bewegungsfreiheit einher
  • Diese Form der Beatmung bietet keinen sicheren Atemwegszugang
  • Die Pflege ist deutlich erschwert


Unterdruckweste

Auch diese Beatmungsform wird nur selten eingesetzt. Neben Frühgeborenen mit chronischen Lungenerkrankung kommt sie auch für Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen in Frage.

Vorteile:   

  • Reizungen am Kopf oder Hals entstehen nicht
  • Atemwege oder Lungen werden nicht durch künstlichen Druck belastet
  • Das Wachstum des Brustkorbs wird gefördert

Nachteile:

  • Auch die Beatmung mit einer Unterdruckweste geht mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit einher
  • Diese Form der Beatmung bietet keinen sicheren Atemwegszugang
  • Die Pflege ist erschwert
  • Ein lautes Beatmungsgerät ist erforderlich
Zwerchfellschrittmacher

Bei diesem Verfahren wird der Phrenicusnerv, der das Zwerchfell versorgt, elektrisch erregt und so künstlich ein Atemreiz ausgelöst. Dieses Verfahren kann für Patienten mit hoher Querschnittslähmung oder bei zentralen kongenitalen Hypoventilationssyndrom (Undine-Syndrom) eingesetzt werden.

Vorteil:

  • Reizungen am Kopf oder Hals entstehen nicht
  • Atemwege oder Lungen werden nicht durch künstlichen Druck belastet
  • Es handelt sich um einen gezielten Ersatz der fehlenden Nervenversorgung

Nachteile:

  • Zum Einsatz eines Zwerchfellschrittmachers ist ein operativer Eingriff nötig
  • Der Technikaufwand ist sehr hoch
  • Es gibt noch keine umfassenden Erfahrungen zum Einsatz bei Kindern
  • Diese Beatmungsform bietet keinen sicherer Atemwegszugang


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