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Hand aufs Herz: Das Einmaleins der Reanimation bei Kindern

15.10.2026

Hand aufs Herz: Das Einmaleins der Reanimation bei Kindern

Hamburg, 15.10.2026 – Morgen ist der Tag der Wiederbelebung. Und das aus notwendigem Grund: 120.000 Menschen erleiden deutschlandweit jedes Jahr außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislaufstillstand, 1,4 % davon sind jünger als 18 Jahre. Was gibt es für Laien bei der Reanimation von Kindern zu beachten? Und wie lernen Kinder mehr darüber? Dr. med. Martin Schmidt-Niemann, stellvertretender Ärztlicher Direktor im Altonaer Kinderkrankenhaus und Leitender Arzt Anästhesie, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Ein bewusstloses Kind zu finden ist eine Ausnahmesituation, auf die jeder Mensch anders reagiert. „Das Wichtigste ist, möglichst schnell zu handeln“, so Dr. Schmidt-Niemann, „denn die Organe von Kindern reagieren empfindlicher auf einen Sauerstoffmangel als die von Erwachsenen.“ Schon ein kurzer Atem- oder Herzstillstand kann für Säuglinge und Kinder lebensbedrohlich sein. Doch wie gelingt es Ersthelfern, in einer solchen Situation einen kühlen Kopf zu bewahren und zu handeln? „Einmal kurz sammeln und sofort die 112 wählen. Die Mitarbeitenden der Rettungsleitstelle sagen einem dann ganz konkret, was zu tun ist“, rät der Leitende Arzt Anästhesie.  

Schritt 1: Bewusstsein überprüfen

Das Bewusstsein lässt sich am besten durch lautes Ansprechen und Berühren überprüfen. „Bei älteren Kindern hilft ein vorsichtiges Rütteln an der Schulter. Einen Säugling darf man aber auf keinen Fall schütteln. Wenn es nicht anders geht, kann man mit einem leichten Schmerzreiz prüfen, ob das Kind reagiert “, betont der Experte. 

Schritt 2: Atmung checken 

Reagiert das Kind nicht, wird als nächstes die Atmung überprüft. Im Zweifel beginnt man sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen. Anders als bei Erwachsenen, beginnt man bei Kindern vor der Herz-Druck-Massage mit fünf Atemspenden. Je nach Alter des Kindes mit einer Mund-zu-Mund oder einer Mund-zu-Nase-und-Mund Beatmung. Die Mund-zu-Mund-Beatmung wird bei älteren Kindern angewendet und funktioniert ähnlich wie bei Erwachsenen. Der Kopf des Kindes wird leicht überstreckt, seine Nase zugehalten, sein Mund mit dem eigenen umschlossen und für etwa eine Sekunde gleichmäßig Luft eingeblasen.

„Wenn sich der Brustkorb des Kindes sichtbar hebt, macht man alles richtig.“, erklärt Dr. Schmidt-Niemann. „Vor der nächsten Atemspende sollte sich der Brustkorb wieder gesenkt haben. Bei Säuglingen atmet am besten in Mund und Nase gleichzeitig und der Kopf wird nicht überstreckt.“ 

Schritt 3: Herzdruckmassage

Zeigt das Kind nach fünf Atemspenden weiter keine Lebenszeichen, sollte mit der Herzdruckmassage begonnen werden. Bei Säuglingen wird der Brustkorb mit beiden Händen umfasst und mit den Daumen neben- oder übereinander auf der unteren Hälfte des Brustbeins gedrückt. Die übrigen Finger stützen den Rücken. Bei Kleinkindern verwendet man für die Herzdruckmassage den Handballen einer Hand, bei größeren Kindern und Jugendlichen beide Hände und gestreckte Arme. Gedrückt wird bis zu einer Tiefe von 4cm bei Säuglingen und rund 5cm bei älteren Kindern. Die Frequenz beträgt 100-120 Kompressionen pro Minute – also etwa zweimal in der Sekunde. Der Brustkorb muss sich nach jedem Druck einmal vollständig entlasten. Nach 30 Kompressionen folgen zwei Atemspenden. Der Ablauf wird so lange wiederholt, bis das Kind normale Lebenszeichen zeigt oder der Rettungsdienst übernimmt. 

Früh übt sich: Kinder sensibilisieren

Es ist sinnvoll, Kinder schon in jungen Jahren an das Thema Erste Hilfe heranzuführen – ohne ihnen Angst zu machen. In erster Linie geht es darum, dass sie in der Lage sind, sich Hilfe zu holen, entweder indem sie einen Erwachsenen benachrichtigen oder den Rettungsdienst rufen. Dafür müssen sie die Notrufnummer kennen, wissen, wie man ein Telefon bedient und im besten Fall auch ihren Aufenthaltsort beschreiben können. Einen ersten spielerischen und sicheren Praxisbezug für Kinder zwischen 3 und 11 Jahren können auch Erste-Hilfe-Kurse für Kindergruppen bieten. So wissen auch die Kleinsten, wie sie im Ernstfall ruhig und besonnen reagieren. 

Auch bei Erwachsenen müssen die Hürden im Kopf noch weiter abgebaut werden: Bis zu 10.000 Leben könnten in Deutschland jedes Jahr zusätzlich gerettet werden, wenn sofort mit der Herzdruckmassage begonnen würde. Tatsächlich lag im Jahr 2024 die Reanimationsquote von Laien in Deutschland aber lediglich bei 55 % und damit unter dem Europadurchschnitt. Dr. Schmidt-Niemann schließt: „Auch wenn man unsicher ist, man muss keine Angst haben, etwas falsch zu machen. Etwas zu tun ist immer besser als nichts zu tun.“

Quellen: 

1 Außerklinische Reanimation: Jahresbericht 2025

2 Deutscher Rat für Wiederbelebung - German Resuscitation Council (GRC) e.V.

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