Skoliose

 

(Elterninformation der Abteilung für Kinderorthopädie)

Man unterscheidet verschiedene Skolioseformen
  • idiopathische Skoliose
  • angeborene Skoliose
  • neuromuskuläre Skoliose
Von idiopathischer Skoliose spricht man, wenn die Entstehung der Skoliose auch nach eingehender Diagnostik ohne ersichtlichen Grund beginnt. Je nach Zeitpunkt des Beginns der Erkrankung unterscheidet man die Säuglingsskoliose, infantile Skoliose, die juvenile und die typische Adoleszentenskoliose.
Die Säuglingskoliose wird heute zunehmend seltener. Sie ist nicht mit der sogenannten Schräglagedeformität zu verwechseln. Ca 80% der Säuglingsskoliosen haben eine gutartige Verlaufsform. Ist die Skoliose jedoch trotz adäquater konservativer krankengymnastischer Therapie progredient, muss eine konsequente Behandlung einsetzen.
Wir favorisieren die Korrektur der Verkrümmung in Narkose mit anschließendem Anlegen eines nicht abnehmbaren Kunstoffkorsettes, welches 4 Wochen getragen wird. In Abhängigkeit vom Ausgangsbefund und dem primären Korrekturergebnis wird diese Behandlung entweder wiederholt, oder es wird vom Orthopädietechniker ein korrigierendes Korsett aus Polypropylen hergestellt. Die weitere Prognose hängt davon ab, wie die Skoliose durch das Korsett kontrolliert werden kann.
Für die infantile, juvenile- bzw. Adoleszentenskoliose gilt, dass ab einer Verkrümmung von 25 Grad bei nachgewiesener Progredienz eine Korsettversorgung durchzuführen ist. Sie bietet bei einem solchen Ausmaß die einzige Möglichkeit, auf konservativem Weg das Fortschreiten der Deformität zu verhindern. Eine Tragezeit von 23 Stunden pro Tag bietet dabei die beste Gewähr für ein gutes Ergebnis.
Skoliosen von mehr als 45 Grad sollten operativ korrigiert werden. Dabei sind manchmal Eingriffe von vorn oder von hinten, in einzelnen Fällen auch kombiniert durchzuführen. Durch moderne Implantate ist es in der Regel möglich, auf eine anschließende Korsettbehandlung zu verzichten. Auch die Sicherheit von Skolioseoperationen hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert.
So kann vor der Operation eine Eigenblutspende erfolgen, so dass eine Gabe von Fremdblut fast immer vermieden werden kann. Zudem wird die Sicherheit von Deformitätenkorrekturen dadurch erhöht, dass während der Operation die Rückenmarksströme abgeleitet werden. Dadurch ist der Operateur jederzeit in der Lage, die Integrität der Rückenmarksbahn während der Operation bestimmen zu lassen. Ein Aufwachversuch, der im Rahmen von Korrekturen von Deformitäten in den früheren Jahren obligat durchgeführt wurde, ist daher heute nur noch selten erforderlich.
Die kongenitale Skoliose wird durch eine Störung in der Entwicklung der Wirbelsäule verursacht. Unzureichende Formierungen oder fehlerhafte Differenzierung von Wirbelkörpern können eine in der Regel progrediente Fehlbildung verursachen. Ein konservativer Therapieansatz ist dabei nur selten erfolgreich. Eine Korsettversorgung führt bei kongenitalen Fehlbildungen nicht zu einer Befundverbesserung. In Einzelfällen kann einmal ein Korsett zur Kontrolle einer Sekundärkrümmung verordnet werden. Ist eine Zunahme einer kongenitalen Skoliose nachgewiesen, ist nach unserer Ansicht die Operationsindikation bereits gegeben. Dabei ist es dann einfacher, durch eine frühzeitige Operation eine schwerwiegende Deformität zu vermeiden als eine ausgeprägte Deformität zu einem späteren Zeitpunkt zu korrigieren.
Das Argument, die Korrektur der Deformität bis zum Wachstumsabschluss zu verschieben, ist sicherlich nicht mehr gerechtfertigt. Eine frühzeitige Entfernung von Halbwirbeln oder eine Wachstumslenkung durch eine sogenannte Epiphyseodese können bei relativ geringer Komplikationsrate schwere Wirbelsäulendeformitäten oder Sekundärkrümmungen verhindern. Die Beeinträchtigung des Wachstums durch eine frühzeitige Operation wird vielfach überschätzt.
Neuromuskuläre Skoliosen sind anders zu bewerten als idiopathische Krümmungen. Eine konservative Behandlung führt nur selten zum Erfolg, so dass in der Regel bei zunehmenden Deformierungen operative Korrekturen erforderlich werden.
Skoliosen bei Muskeldystrophie Duchenne sollten bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt operiert werden, wenn die Lungen- und Kreislauffunktionen noch nicht beeinträchtigt sind. Die Operationsindikation bei Kindern mit Muskeldystrophie Duchenne ergibt sich bereits, wenn eine Zunahme der Krümmung nachgewiesen ist. Bei frühzeitiger Operation kann durch eine Operation die Wirbelsäule wieder begradigt werden und meist auf eine Versteifung bis zum Kreuzbein verzichtet werden. Die Lungenfunktion kann im Gegensatz zu nicht operierten Patienten über viele Jahre stabil bleiben, und die Sitzfähigkeit bleibt erhalten.
Moderne Anästhesie- und Operationsverfahren können das Risiko einer solchen Operation wesentlich reduzieren. Die stationäre Behandlungszeit beträgt ca. 2–3 Wochen.
Vielfach werden Skoliosen bei neuromuskulären Erkrankungen zu einem zu späten Zeitpunkt operiert. Dadurch erhöht sich in der Regel der operative Aufwand und die Risiken der Operation. Wird bei neuromuskulären Skoliosen im Wachstumsalter ein Krümmungsausmaß von 50 Grad überschritten, so ist in der Regel mit einer kontinuierlichen Verschlechterung der Deformierung zu rechnen. Die operative Korrektur sollte demnach spätestens bei einer Krümmung von 50 Grad durchgeführt werden. Von dieser Regel gibt es wenige Ausnahmen. Z. B. kann man bei sehr jungen Kindern einen Versuch mit einer Korsettversorgung durchführen, um zunächst noch weiteres Wachstum für die Wirbelsäule zuzulassen.
  • Durch frühzeitige Operationen ergeben sich nach unserer Erfahrung mehrere Vorteile.
  • Der Aufwand der Operation ist geringer.
  • Die Wirbelsäule ist wieder zu begradigen.
  • Die Versteifungsstrecke ist in der Regel geringer.
  • Eine Versteifung bis zum Becken ist weniger häufig erforderlich.
 
Operationsverfahren ohne Versteifung (Non-fusion Techniken)
 
In den letzten Jahren haben sich einige sog. Non-fusion Techniken entwickelt, die gerade für jüngere Kinder eingesetzt werden können.
 
 
1. SMA-Staples
 
Bei diesem Verfahren handelt es sich um eine minimal-invasiv durchgeführte Operation die für Skoliosen unter 35° in Frage kommt. Dabei werden Titan-Klammern im Bereich der Konvexität einer Deformität implantiert, um eine Progredienz der Krümmung vermeiden und in einigen Fällen auch eine Verbesserung der Krümmung ermöglichen können. Wir setzen dieses Verfahren seit über 5 Jahren ein. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass alle Krümmungen unter 35° auf dieses Verfahren gut reagieren. Geeignet ist dieses Verfahren für Kinder und Jugendliche zwischen dem 8.- 12.Lebensjahr. Es sollten noch mindestens 2 Jahre Restwachstum vorliegen. Das heißt z.B., dass die Menarche noch nicht eingetreten sein sollte.
 
2. Growing rods
 
Diese sog. Wachstumsstäbe werden von hinten im Bereich der Wirbelsäule aufgebracht. Dabei werden im Bereich der Lendenwirbelsäule und im Bereich der Brustwirbelsäule Klammerkonstruktionen implantiert und zwischen diesen Verankerungen werden 5- 6 mm dicke Stäbe implantiert. Diese Konstruktionen mussten bis vor kurzem alle 6 Monate dem Wachstum angepasst werden. Dazu war eine kleine Operation mit einer Nachstellung der Implantate erforderlich. Seit kurzem gibt es die Möglichkeit Implantate einzubringen, die über einen äußeren Magneten verlängert werden, so dass Nachfolgeoperationen nicht mehr erforderlich werden. Für diese Implantate gibt es noch keine mittelfristigen oder lange Beobachtungszeiten. Sie haben jedoch im Vergleich zu den Vorgängern deutlich Vorteile, da man weitere Operationen in der Regel vermeiden kann. Dieses Verfahren kommt für Kinder zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr in Betracht.
 
3. VEPTR-Verfahren (Titan-Rippen) (siehe auch www.titanrippen.de)
 
Zu diesem Verfahren finden Sie weitere Informationen über den oben angeführten Link incl. eines Elternforums.

 


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