Anästhesie – allg. Informationen

(Elterninformation der Abteilung für Anästhesiologie)

Allgemein- oder Regionalanästhesie?

Die meisten Operationen bei Kindern müssen in Narkose vorgenommen werden. Die Narkose stellt sicher, dass die bewusste Wahrnehmung für das Operationsgeschehen ausgeblendet ist und Schmerzen vollkommen ausgeschaltet sind. Es ist unser Ziel das Ihr Kind weder körperlichen noch seelischen Stress ausgesetzt ist.

Wir nehmen an, dass die meisten Kinder die Operationssituation und die Atmosphäre im Operationssaal im Wachzustand angstbetont wahrnehmen würden und seelischen Schaden davontragen könnten.

Insofern geben wir im Regelfall einer Allgemeinnarkose den Vorzug. Die Narkose wird gelegentlich mit einer Regionalanästhesie kombiniert, dazu später... Es gibt auch operationstechnische Gründe, weshalb einer Narkose gegenüber der örtlichen oder regionalen Betäubung der Vorzug gegeben werden muss: Welches Kind wird eine oder mehrere Stunden freiwillig still auf einem Tisch liegen wollen??? Dies ist aber für viele Operationen im Kindesalter unabdingbar notwendig. Bei vielen Eingriffen ist der Chirurg/ der Orthopäde auch darauf angewiesen, dass die natürliche Spannung der Muskulatur vorübergehend ausgeschaltet wird. Dies ist häufig nur in Narkose möglich.

Fazit: eine alleinige Regionalanästhesie zwecks Durchführung einer Operation kommt im Kindesalter in der Regel nicht in Betracht, eher jedoch die Kombination aus Narkose und Regionalanästhesie. Sie ermöglicht eine schonende Narkoseführung und nach der Operation eine wirksame Schmerzausschaltung. - Siehe auch Postoperative Schmerzbehandlung.

Die medikamentöse Prämedikation

Am Operationstag wird ihr Kind – ewa eine halbe Stunde vor der Operation ein Beruhigungsmittel – zum Schlucken – erhalten. Kleine Kinder bekommen einen Saft. Dann wird Ihr Kind voneiner Schwester und Ihnen zum Op-Bereich gebracht. Eine Anästhesieschwester nimmt es in Empfang. Bis dahin können Sie Ihr Kind begleiten.

Wird Ihr Kind ambulant operiert, kann ein Elternteil mit in den Einleitungsraum kommen – wenn Sie das wünschen.

Im Einleitungsraum

= Ein Vorraum des Operationssaales; dort wird die Narkose „eingeleitet“.

Viele Eltern und auch ältere Kinder legen Wert darauf, dass die Narkoseeinleitung schmerzfrei erlebt werden kann. Es wird daher die Narkoseeinleitung durch Inhalation eines dampfförmigen Narkosemittels bevorzugt. Dieses Verfahren wird auf Wunsch auch bei jugendlichen Patienten vorgenommen. Alle weiteren Maßnahmen - Infusionen und Katheter - werden dann , soweit notwendig, in Narkose gelegt.

Größere Kinder können nach Aufkleben eines EMLA-Pflasters die Punktion der Infusionskanüle ohne weiteres ertragen. Die Medikamente für die Einleitung der Narkose werden kann über den Infusionszugang gegeben.

Die Überwachung während der Operation

Der Anästhesist überwacht den Patienten und dessen Narkose. Er sorgt für die Aufrechterhaltung der Narkose, für den sicheren Schlaf und für die Abschirmung des Kindes von Stressfaktoren.

Jede Operation wirkt sich auf den Patienten aus wie ein Trauma: Es treten Verluste an Körperflüssigkeiten, Wasser, Salzen und Blutbestandteilen auf. Der Körper reagiert mit Veränderungen des inneren Milieus und des Stoffwechsels. Die Auswirkungen auf den Körper des Patienten sind umso erheblicher, je größer, eingreifender, invasiver, länger eine Operation ist.

Der Anästhesist ist mit der Überwachung der Vitalfunktionen und mit Behandlung der genannten Auswirkungen einer Operation befasst. Jede Abweichung der Atmung, des Kreislaufs vom Normalzustand muss korrigiert, Störungen des Stoffwechsels und des inneren Milieus behandelt werden.

Die vordringlichste Aufgabe des Anästhesisten ist somit, sicherzustellen, dass der Patient seine Operation gut übersteht. Für die Überwachung des Patienten und die Steuerung der Narkose stehen dem Anästhesisten ein Narkose- Beatmungsgerät, Monitore und Medikamentenpumpen zur Verfügung. Spezielle Katheter dienen der Überwachung von Atmung und Kreislauf. Das Wichtigste in Sachen Überwachung und unabhängig von aller Technik: Der Anästhesist ist persönlich zugegen und mit ihm eine Anästhesieschwester oder ein Anästhesiepfleger.

Fremdblutsparende Maßnahmen

Kinderchirurgen und Orthopäden haben die Verfahren, welche geeignet sind, Blutverluste von vorn herein vermeiden zu helfen, immer weiter verfeinert. Dennoch ist bei größeren Operationen z. B. an inneren Organen, oder an Hüfte oder Wirbelsäule, mit Blutverlusten zu rechnen.

Es stehen eine Reihe von Möglichkeiten / Methoden zur Verfügung, Fremdbluttransfusionen vermeiden, oder zumindest auf ein Minimum begrenzen zu können: Unter anderem kann - bei jugendlichen Patienten - einige Wochen vor dem Operationstermin eine Eigenblutspende vereinbart werden. Für kleine und große Kinder kann während der Operation ein Gerät zur Rückgewinnung verlorengegangenen Blutes - ein sog. Cell-Saver - eingesetzt werden. Nicht immer jedoch ist die Gabe von Fremdblut vermeidbar. Umso wichtiger ist die Zusammenarbeit mit einem Transfusionsinstitut, welches bei der Gewinnung von Blutkonserven höchste Maßstäbe in Sachen Sicherheit der Blutpräparate anlegt.... Fremdblutsparende Maßnahmen, sowie die Wahrscheinlichkeit und Risiken möglicher Bluttransfusion sind auch jeweils Thema des Elterngespräches vor einer Operation.

Übrigens sind bei den meisten kleineren und mittleren Operationen Blutverluste so gering, daß Bluttransfusionen gar nicht in Betracht gezogen werden müssen.

Postoperative Überwachung

Nach kleineren und mittleren Operationen wird ein Kind zunächst in den Aufwachraum gebracht werden. Das Aufwachen soll schmerzfrei, ruhig und stressfrei erlebt werden können. Eltern sind im Aufwachraum willkommen. Ansonsten geht es im Aufwachraum um die Sicherheit der Atmung, des Kreislaufs, um Schmerzfreiheit, aber auch um die Behandlung von unmittelbar nach der Operation möglichen Problemen wie etwa: Erbrechen, Unruhezustände.

Die postoperative Schmerzbehandlung ist oft schon im Operationssaal eingeleitet worden, sie wird im Aufwachraum fortgesetzt. Eltern werden informiert und angeleitet, etwa, wie die Schmerztherapie in der bevorstehenden Nacht und den folgenden Tagen gehandhabt werden wird.

Intensivbehandlung

Nach großen und langdauernden Operationen muss der Patient in den nachfolgenden Stunden oder Tagen intensiv überwacht und auch behandelt werden. In der Regel können die Angehörigen schon vor der Operation darüber informiert werden, ob eine Intensivbehandlung nach der Operation notwendig wird oder nicht. Bei Patienten mit erheblichen begleitenden Erkrankungen der Atemwege oder des Kreislaufs muss eine Intensivbehandlung regelhaft eingeplant werden.

Postoperative Schmerzbehandlung

Leichtere Schmerzmittel wie etwa Paracetamol oder Ibuprofen können in kindgerechter Form als Zäpfchen oder als Saft verabreicht werden.

Stärkere, systemisch wirksame Schmerzmittel - dazu gehörigen synthetische Opiate z. B. Dipidolor - müssen intravenös gegeben werden. Da Kinder nach der Operation noch mit der Infusion verbunden sind, können diese Medikamente in den Infusionsschlauch gespritzt werden. Solche systemisch wirksame Schmerzmittel rufen in höherer Dosis Schläfrigkeit hervor. Die schmerzstillende Wirkung ist hervorragend. Die Behandlung wird schon im Operationssaal, noch vor dem Wachwerden eingeleitet.

PCA-Pumpe: mit Hilfe einer programmierbaren Spritzenpumpe wird größeren Kindern ermöglicht, sich das notwendige Schmerzmittel nach Bedarf selbst zu verabreichen. Die PCA- Pumpe wird vom betreuenden Anästhesiepersonal so programmiert, dass Überdosierungen ausgeschlossen sind. Da gibt es "Sperrzeiten" und "Höchstmengen" . Vor der Anwendung werden Eltern und Kind in die Bedienung der Pumpe eingewiesen. PCA kommt von "Patient Controlled Analgesia". Bei kleinen Kindern ist eine Bedienung durch Pflegekräfte der Station oder durch die Eltern ("elternkontrollierte Analgesie" ) möglich.

Regionalanästhesie: sie ermöglicht es, nach Operationen etwa an der Hüfte, den unteren Extremitäten oder urologischen Operationen dem Kinde postoperativ mit Hilfe örtlicher Betäubungsmittel Schmerzfreiheit zu verschaffen.

Methoden der Regionalanästhesie

Die Periduralanästhesie, die Kaudalanästhesie, der 3-in-1-Block.

Diese Verfahren sind besonders leistungsfähig bei stärksten Schmerzen, erlauben des dem Kinde, bald nach der Operation wach und dennoch schmerzfrei zu sein. Es ist frühzeitig nach einer Operation der Kontakt mit den Eltern oder anderen Kindern möglich.

Diese Verfahren können - das ist eine Besonderheit der Kinderanästhesie - in Narkose angelegt werden, so dass das Einbringen des Schmerzmittels oder eines Katheters nicht belastend oder gar traumatisch erlebt werden muss.

Periduralanästhesie

Sie ist vielen Frauen aus der Geburtshilfe bekannt. Der Unterschied: Im Kindesalter kann diese Anästhesie in Narkose - vor Beginn der Operation - angelegt werden. Die Methode ermöglicht Schmerzfreiheit für mehrere Tage. Die Wirkung wird durch die Anwendung örtlicher Betäubungsmittel (Lokalanästhetica ) erzielt, die über einen Katheter mit Hilfe einer Infusionspumpe verabreicht werden. Bei Kindern wird die Periduralanästhesie in der Regel mit einer Narkose kombiniert. Der Patient kann schon während der Operation von diesem Verfahren profitieren: In der Regel können die für die Allgemeinnarkose eingesetzten Pharmaka in ihrer Dosis reduziert werden.

Bei der Periduralanästhesie wird in Höhe der Lendenwirbelsäule ein dünner Katheter ( =Schlauch, ca. 1 mm Durchmesser) in den Periduralraum eingebracht. Das ist der Raum zwischen den Rückenmarkshäuten, die das Rückenmark umgeben.

Bei Kindern wird die Punktion – in Narkose, in Seitenlage - in Höhe der unteren Lendenwirbel so vorgenommen, dass Rückenmarkstrukturen nicht berührt werden. Die Punktion wird mit einer Hohlnadel vorgenommen, über die dann der Katheter ca. 5 cm in den Periduralraum eingebracht und dann auf der Haut mit Pflaster fixiert wird.

Eine Infusionspumpe wird später auf der Station die Menge des Lokal- Anästheticums ersetzen, die der Körper stündlich abbaut. In der Regel kann der Periduralkatheter etwa 2 – 4 Tage belassen werden. Das Ziehen ist nicht schmerzhaft. Das Lösen der Pflasterstreifen mögen allerdings viele Kinder nicht so gern....

Der Anästhesist muß im Vorgespräch über Risiken aufklären, die es auch im Zusammenhang mit Periduralanästhesie geben kann.

Kaudalanästhesie

Sie wird einem Kinde am Ende der Operation - noch in Narkose - angelegt. Sie verschafft dem Kinde für die ersten - besonders schmerzhaften - postoperativen Stunden Schmerzfreiheit. Die Methode gilt als risikoarm und besonders kindgerecht. Sie ist mit der Periduralanästhesie verwandt. Sie wird in der Regel ohne Katheter angewendet. Die Punktionsstelle: die Gegend zwischen Kreuzbein und Steißbein - weit weg von Rückenmarksstrukturen.

3-in-1-Block

Dieses Verfahren gehört zu den Plexusblockaden. Letztere sind geeignet, eine einzelne Extremität, etwa einen Arm oder ein Bein schmerzfrei zu halten. Über einen Katheter sind Anwendungen über mehrere Tage möglich. Übrigens: der Begriff: Drei-in-Eins-Block rührt daher, dass mit Hilfe einer einzigen Injektion über den Katheter die Schmerzleitung dreier - das Bein versorgender Nerven - unterbrochen werden kann. "Drei auf einen Streich.....".

Risiken der Anästhesie

Ist die Anästhesie bei Kindern gefährlich?? Generell gilt für die Anästhesie, dass die Anwendung der Methoden, der Medikamente - ähnlich wie in den anderen medizinischen Fachdisziplinen - nicht ohne Risiken möglich ist. Risikorelevant sind zum Beispiel chronische Erkrankungen eines Patienten, vor allem solche der Atmung, des Kreislaufs, des Stoffwechsels, des Nervensystems.

Inwieweit diese Dinge bei Ihrem Kinde von Bedeutung sind und sich risikoerschwerend auswirken, ist Gegenstand des Gespräches mit dem Anästhesisten. So lässt sich heute auch bei Kindern mit erheblichen Begleiterkrankungen ein geeignetes Verfahren finden und somit das Risiko auf ein verantwortbares Maß reduzieren. Vielfach ist dann, wenn die Vorbereitung gut ist, der Verlauf ohne Probleme.

Komplikationen in der Anästhesie sind eher typisch bei dürftiger Vorbereitung - etwa in Notfällen oder bei mangelnden Möglichkeiten des Informationsaustausches mit dem Patienten oder dessen Angehörigen. Nach neueren - in der englischsprachigen Fachpresse diskutierten Erkenntnissen - spielt in der Kinderanästhesie die Qualifikation und die Erfahrung des Teams eine beachtliche risikorelevante Rolle.

Die heute in der Anästhesie verwendeten Pharmaka sowie die in den letzten Jahren entwickelten Überwachungstechniken haben dafür gesorgt, dass ein hohes Maß an Sicherheit möglich ist. Eine Gute Vorbereitung des Patienten / der Eltern bietet am ehesten die Gewähr für einen sicheren Verlauf von der Operation und der Nachbehandlung.

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