Kniegelenkerkrankungen
(Elterninformation der Abteilung für Kinderorthopädie)
Knieschmerzen treten im Kindes- und Jugendalter nicht selten auf. Zunächst sollte immer daran gedacht werden, dass solche Beschwerden auch durch Hüftgelenkerkrankungen verursacht werden können. So muss man zwischen dem 4-8 Lebensjahr an einen M.Perthes, zwischen dem 10. - 16. Lebensjahr an einen
Hüftkopfabrutsch denken. Die Untersuchung des Hüftgelenkes gehört demnach immer zur Abklärung der Kniegelenkbeschwerden dazu.
Im frühen Kindesalter sind Knieschmerzen selten. In den ersten 5 Lebensjahren muss bei Schmerzen oder Schwellungen in erster Linie an Entzündungen des Gelenkes oder der beteiligten Knochenstrukturen gedacht werden. Dazu gehört zum Beispiel die bakterielle Knocheninfektion (Osteomyelitis) oder auch kindliche rheumatische Erkrankungen.
Gelegentlich hört man ein Gelenkknacken oder ein "Klick" im Gelenk, der in der Regel harmloser Natur ist. Insbesondere sollte jedoch eine Blockierung ausgeschlossen werden. Dabei kommt es zu einem plötzlichen Bewegungsstop, der auch mit Schmerzen einhergehen kann. Für eine solche Störung kann z. B. ein sogenannter Scheibenmeniskus verantwortlich sein. Dabei handelt es sich um eine angeborene Anomalie meist des Außenmeniskus, die, wenn sie Symptome verursacht, einer operativen Behandlung bedarf. Bei den kleinen kindlichen Gelenken eignet sich nach unserer Erfahrung ganz besonders die Laser unterstützte Operation. Dabei wird mit einer dünnen Laserfaser der scheibenförmige Anteil des Meniskus entfernt, bis nur noch ein sichelförmiger Anteil übrig bleibt. Eine komplette Entfernung des Meniskus - wie vielfach noch üblich - unterbleibt bei dieser Operationsmethode.
Ab dem 10. Lebensjahr sind Kniegelenkbeschwerden keine Seltenheit mehr. Häufig ist um die Pubertät herum besonders bei Mädchen ein vorderer Kniegelenkschmerz in Umgebung der Kniescheibe anzutreffen. Die Beschwerden werden dabei nur sehr diffus angegeben. Die Ursache bleibt häufig unklar. In vielen Fällen findet man jedoch ausgeprägte Muskelverkürzungen der Oberschenkel-Streckmuskulatur, nicht selten auch von weiteren Muskelverkürzungen der Kniegelenkbeuger und der Becken-Hüft-Muskulatur begleitet.
Die besten Erfolge sehen wir nach einem konsequenten krankengymnastischen Dehnungsprogramm. Abzuklären gilt es jedoch, ob nicht ursächlich andere Faktoren für diese Beschwerden verantwortlich sein können. Das Vorliegen eines X-Beines begünstigt z. B. eine vermehrte Druckbelastung der äußeren Lauffläche der Kniescheibe, was zu chronischen Beschwerden führen kann. Nicht selten, gerade bei Sportlern, sind Wachstumsstörungen im Bereich der Kniescheibenspitze, die in der Regel konservativ sehr gut zu behandeln sind.
Gelegentlich sind Schmerzen um die Kniescheibe herum auch Folge von Rotationsfehlern im Ober- oder Unterschenkel (z.B. Retrotorsion des Oberschenkels oder Außentorsion des Unterschenkels). In solchen Fällen müssen korrigierende Operationen durchgeführt werden.
Eine weitere typische Erkrankung des Jugendlichen oder jungen Erwachsenen ist die Osteochondrosis dissecans. Dabei handelt es sich um eine Knochenerkrankung direkt unter der Knorpeloberfläche des Oberschenkelknochens auf der Innenseite des Kniegelenkes. Hier kommt es zu einer Durchblutungsstörung in einem umschriebenen Bezirk mit Absterben von Knochenzellen und dem Risiko einer daraus resultierenden Knorpelschädigung. Unterhalb des 12. Lebensjahres hat die Erkrankung eine relativ gute Prognose und Spontanheilungen sind häufig. Später beobachtet man in der Regel ungünstige Verläufe.
Die Kernspintomographie ist zur Verlaufsbeobachtung und Therapieplanung unerlässlich geworden. Bei ungünstigem Verlauf können in einem frühen Stadium noch minimal invasive operative Verfahren mit Anbohrung zu einer Ausheilung führen. Ist die Knorpeloberfläche nicht mehr intakt, müssen z.T. aufwendige Therapieverfahren bis zur Knorpeltransplantation durchgeführt werden.
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