Anästhesie – FAQs
(Elterninformation der Abteilung für Anästhesiologie)
Wir geben Ihnen auf diesem Wege Gelegenheit, einige im Zusammenhang mit Narkose und Operation häufig gestellte Fragen und Antworten kennen zu lernen:
Wozu braucht mein Kind Anästhesie?
In der Regel ist eine Narkose erforderlich, um die bewusste Wahrnehmung für das Operationsgeschehen auszublenden und gleichzeitig Schmerzen vollständig auszuschalten.
Da geht es in erster Linie darum, mögliche seelische Verletzungen vom Kinde fernzuhalten.
Darüber hinaus ist häufig eine vollständige Ruhigstellung notwendig, damit es während einer Operation nicht zur Verletzung benachbarter Gewebe und Organe kommt. -
Eine vollständige Ruhigstellung für einen längeren Zeitraum ist nicht mit örtlicher Betäubung aber mit Narkose möglich.
Für einige Operationen muss die natürliche Muskelspannung vermindert oder vorübergehend ausgeschaltet werden. Zum Beispiel während Bauchoperationen (Blinddarm-Op) oder beim Einrichten von Frakturen (Knochenbruch).
Deshalb ist für derartige Eingriffe oft eine Narkose Vorrausetzung für ein gutes Operationsergebnis.
Besonderheiten der Anästhesie im Kindesalter
Anästhesisten und Schwestern am Altonaer Kinderkrankenhaus arbeiten ständig daran, die Methoden der Anästhesie und Schmerztherapie den besonderen Bedürfnissen von Kindern anzupassen.
Ich möchte Ihnen einige Beispiele nennen:
Kindern ist manchmal die Venenpunktion zu Beginn einer Narkose äußerst unangenehm oder gar schmerzhaft.
Es gibt die Möglichkeit, ein EMLA – Pflaster, ein hautbetäubendes Pflaster - vorab auf den Handrücken zu kleben. Das mildert den Punktionsschmerz.
Anderes Beispiel: es kann die Narkose durch Inhalation eines dampfförmigen Anästheticums eingeleitet werden, das erspart den Punktionsschmerz gänzlich. – die Venenpunktion erfolgt dann im Schlaf.
Ein weiteres Beispiel: Eine Regionalanästhesie kann – wenn gleichzeitig eine Narkose geplant ist – erst dann angelegt werden, wenn die Narkose bereits eingeleitet ist. Das erspart Kindern Ängste im Zusammenhang mit schmerzhaften Punktionen...
Ein weiteres Beispiel: viele Kinder mögen Tabletten nicht gern schlucken. Es besteht die Möglichkeit, Arzneimittel - zur Beruhigung oder gegen Schmerzen – als Saft zu schlucken.
Ist eine Narkose gefährlich?
Nein! Zwar hat auch eine Narkose – wie jeder medizinische Eingriff – Risiken, über die Ihr Anästhesist mit Ihnen sprechen wird.
Risiken bei der Anästhesie mit Kindern sind im wesentlich mit den Atemwegen assoziiert. Die Atemwege sind bei kleinen Kindern eng, die Luftströmungen turbulent, die Sauerstoffreserven – bei gleichzeitg gegenüber Erwachsenen höherem, gewichtsbezogenen Sauerstoffverbrauch – gering.
Insofern ist der Atemwegssicherheit in der Kinderanästhesie ein besonderer Stellenwert zuzumessen.
Eine Narkose kann heute – auch bei einem Kinde - gut und sicher verabreicht werden, wenn sie gut vorbereitet und von in der Kinderanästhesie erfahrenem Personal vorgenommen wird.
Die für die Anästhesie verwendeten Medikamente sind - weltweit - gut untersucht und zählen zu den Arzneimitteln, über die wir besonders viel wissen. Die Referenzen sind gut und zuverlässig.
Wir wissen zum Beispiel heute sehr genau, wie diese Arzneimittel wirken - und wie sie den Körper wieder verlassen (Ausscheidung über die Atemwege, den Harn oder die Galle).
Nähere Auskünfte gibt Ihnen gern Ihr Anästhesist.
Mein Kind hatte kürzlich erst eine Narkose. Nun braucht es schon wieder ein... Wie schädlich ist das?
Es ist etwa wie beim Fliegen. Die Risiken sind bei Start und bei der Landung größer als während eines Fluges.
Insofern ist das allgemeine Narkoserisiko jedes Mal erneut vorhanden. Sie oben: ist eine Narkose gefährlich?
Allerdings bereiten die Wiederholungsnarkosen heute viel weniger Probleme als in früheren Zeiten. Es gibt in der Regel keine Gewöhnungseffekte, dergestalt, dass immer höhere Dosierungen nötig wären. Auch ist die Entwicklung von Allergien gegen Anästhetica ist außerordentlich selten.
Im Allgemeinen können sie derartige Sorgen zurückstellen.
Während der Narkose und Operation ist übrigens der Anästhesist zugegen. Monitore geben ihm Aufschluss über die Atmung, den Kreislauf, inneres Milieu, Wasser- und Säure-Basenhaushalt....
Können Eltern einen Beitrag zur Sicherheit leisten?
Wenn Sie etwas über Begleiterkrankungen – etwa der Atmung, dem Kreislauf, dem Stoffwechsel - wissen, berichten Sie darüber! Es sind dann besondere Vorkehrungen möglich und nötig, damit die Anästhesie bei Ihrem Kinde gut und sicher durchgeführt werden kann.
Auch können Sie dazu beitragen, dass Ihr Kind die Nüchternzeit einhält:
6 Std. vor einer Narkose keine Mahlzeit, 2 Stunden keine Flüssigkeiten. Säuglinge im ersten Halbjahr dürfen bis 4 Std. vor der Operation eine Milchmahlzeit haben.
Kommt – statt einer Narkose - auch eine örtliche Betäubung oder Regionalanästhesie in Frage?
Bei Kindern kommen örtliche Betäubungen hauptsächlich zur Schmerzausschaltung nach der Operation in Betracht.
Es gibt zum Beispiel die Peridural- und Kaudalanästhesie.
Die bei der Anlage notwendigen Injektionen werden typischerweise während Narkose vorgenommen.
Damit werden Ihrem Kind eventuelle Schmerzen im Zusammenhang mit Lokalanästhesien erspart.
Regionalanästhesien sind übrigens nicht weniger risikobehaftet als Narkosen – insofern ist die Regionalanästhesie keine Option, Anästhesierisiken auszuschalten.
Kann meinem Kind die Spritze, die es für die Narkose braucht, erspart werden?
Ja, kann es!
Bei Kindern kann die Narkose durch Inhalieren eines dampfförmigen Anästheticums über die Gesichtsmaske eingeleitet werden.
Eine Infusion wird dann erst im Schlaf angelegt.
Die Maske bedeckt Mund und Nase, der Blick ist frei.
Nach dem Einschlafen wird die Narkose dann über intravenös zu verabreichende Anästhetica fortgesetzt.
Reicht – anstatt einer Narkose – nicht die Gabe eines Beruhigungsmittels?
Bei größeren Kindern und Jugendlichen, die eine Magenspiegelung oder einer Bronchoskopie vor sich haben, reicht die Gabe eines Schlafmittels, welches mit einem Schmerzmittel kombiniert wird.
Dieses Verfahren wird Analgosedierung genannt.
Es ist ein Infusionszugang – zur Sicherheit – erforderlich. Auch wird ein EKG abgeleitet und die Sauerstoffsättigung überwacht.
Diese Operationen (Mandeloperation, Magenspiegelung und andere) werden bei Erwachsenen ohne Narkose gemacht – wie ist es bei Kindern?
Es gibt nicht schmerzhafte Eingriffe, die dennoch eine Narkose erfordern, zum Beispiel, weil dem Kind das „Eingriffserlebnis“ erspart werden sollte:
Wird etwa bei einem Kleinkind eine Magenspiegelung vorgenommen, so sollte es dazu eine Narkose erhalten, weil man ihm vorab nicht erklären kann, was da vorgeht. Hier geht es darum, ein seelisches Trauma von vornherein vermeiden zu helfen.
Da wird Sie auch die Ärztin, der Arzt, der die Spiegelung vornimmt, schon vorab beraten...
Druckansicht Leserbrief