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Selektive dorsale Rhizotomie (SDR)

 

Auch bei dieser Methode ist die Reduktion von Spastik das Hauptziel, im Gegensatz zur Baclofenpumpentherapie wird hierbei aber nicht ein Medikament eingesetzt, sondern bestimmte Nervenfasern durchtrennt, die zur Aufrechterhaltung der Spastik beitragen. Bei Menschen die nicht unter einer Spastik leiden, bestehen spezielle Nervenbahnen, die vom Gehirn bis zum Rückenmark ziehen und dort einen hemmenden Einfluss auf den sogenannten Reflexbogen ausüben. Reflexe wie z.B. der Kniescheibensehenreflex sind sozusagen Kurzschlüsse zwischen den Muskeln und Sehnen einerseits und dem Rückenmark andererseits.

So meldet die Kniescheibensehne im Falle eines Stolperns nicht erst zeitaufwendig dem Gehirn, dass sie gerade gestreckt wurde, sondern die Information geht nur bis zum Rückenmark und wird dort direkt in ein Signal umgeschaltet (Reflexbogen), welches dem Oberschenkelmuskel befielt sich schnell anzuspannen und so einen Sturz verhindert. Damit dieser im Prinzip sinnvolle Reflex nicht ständig abläuft, bestehen also die vom Gehirn bis zu dem Reflexort im Rückenmark verlaufenden hemmenden Nervenbahnen.

Bei Menschen mit einer Spastik wurden diese hemmenden Bahnen auf ihrem Weg entweder im Gehirn oder im Rückenmark unterbrochen und können in der Regel nicht repariert werden. Die Ursache von Spastik sind also ungehemmt ablaufende Reflexantworten. Die dabei entstehende Muskelanspannung wird nun über sensible (fühlende) Nerven dem Rückenmark zurückgemeldet und führt zum erneuten Auslösen des Reflexbogens. So entsteht ein Teufelskreis, bei dem die Muskelanspannung ständig weiter aufrecht gehalten und damit zur Spastik wird.

Bei der Methode der selektiven dorsalen Rhizotomie wird nun ein Teil der sensiblen Nerven, die mit ihrer Rückmeldung den Teufelskreis aufrechterhalten identifiziert und dann gezielt gekappt. Dies kann nur im Bereich der Lendenwirbelsäule erfolgen, so dass auch nur eine Spastik der Beine und nicht der Arme behandelt werden kann. Eine Besserung von unwillkürlich einschießenden Muskelanspannungen (Dystonie) ist mit dieser Methode nicht möglich, da diese eine andere Ursache hat als die Spastik. Besonders erfolgreich wird diese Operation bei Kindern mit einer Zerebralparese und einer Spastik der Beine (Diparese), die aber noch gehfähig sind eingesetzt. Vorteile der Rhizotomie bestehen darin, dass keine Abhängigkeit von einer Medikamentenpumpe und damit von regelmäßigen ambulanten Krankenhausvorstellungen entsteht, die Minderung der Spastik spätere orthopädische Operationen bei entstandenen Deformitäten (Hüftverdrehung usw.) überflüssig machen kann und nicht selten eine Normalisierung des vorher auffälligen Gangbildes zu erreichen ist.

Zur Klärung der Frage ob ein bestimmtes Kind von der Rhizotomie profitieren könnte, erfolgt zunächst eine ambulante Vorstellung (telefonische Terminvereinbarung s.o.) bei allen beteiligten Experten (Kinderneurologie, Kinderorthopädie und Kinderneurochirurgie) gemeinsam. Vor einer möglichen Operation muss dann noch im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) eine Videoanalyse des Gangbildes im Ganglabor durchgeführt werden.

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