Altonaer Kinderkrankenhaus

Hüftkopfabrutsch

(Elterninformation der Abteilung für Kinderorthopädie)

Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung der Hüftgelenk nahen Wachstumsfuge des Oberschenkelknochens.
Jungen erkranken 2-3 mal häufiger als Mädchen. In den meisten Fällen bleibt die Ursache des Auftretens der Erkrankung unklar. Verantwortlich sind wahrscheinlich hormonelle Umstellungen im Rahmen der Pubertät, die zu einer Auflockerung der Wachstumsfuge führen. Typischerweise kommt es zu einem langsamen Abrutschen des Hüftkopfes was sich gelegentlich durch belastungsabhängige Schmerzen bemerkbar macht. Diese Schmerzen projizieren sich häufig in die Leiste, können sich in vielen Fällen jedoch auch als Knieschmerzen bemerkbar machen und werden dann häufig fehlinterpretiert.

Tritt ein Hüftkopfabrutsch vor dem 10. oder nach dem 16. Lebensjahr auf, so muss nach einer zu Grunde liegenden Erkrankung gefahndet werden.

Bei Verdacht sollte auf jeden Fall ein Röntgenbild durchgeführt werden. Bei weiter bestehendem Verdacht und typischer Befundkonstellation (Alter zwischen 10-16 Jahren, adipös, belastungsabhängige Schmerzen) empfehlen wir, eine Kernspintomographie zu veranlassen. Hier zeigen sich bereits Veränderungen, die wesentlich früher als das Röntgenbild einen Hüftkopfabrutsch anzeigen (Ödem der Wachstumsfuge). Die Sonographie des Hüftgelenkes ist als zusätzliche Primärdiagnostik ebenfalls unentbehrlich.

Bestätigt sich der Verdacht auf das Vorliegen eines Hüftkopfabrutsches, ist eine Operation unvermeidlich. Bei geringfügigem Abrutsch empfehlen wir eine sogenannte Fixation in situ. Dabei wird minimal invasiv eine etwa 6,5 mm im Durchmesser messende Schraube zur Fixation eingedreht, um das weitere Abrutschen zu verhindern. Dieser Eingriff sollte immer beidseitig durchgeführt werden, da man weiß, dass in mehr als 50% auch die zweite Seite erkranken kann.

Besteht bereits kein leichter, sondern ein mittelgradiger Hüftkopfabrutsch, kann bereits eine Umstellungsosteotomie erforderlich werden. Dabei wird die Fehlstellung entfernt vom eigentlichen Geschehen korrigiert. Ein solcher Eingriff kann sowohl im Rahmen der Primäroperation, andererseits aber auch um 1 bis 2 Jahre zeitversetzt nach einer in-situ-Operation erfolgen.

Bei schwerem Hüftkopfabrutsch kann auch eine Umstellungsosteotomie die Deformität nicht mehr ausreichend korrigieren. Hier empfehlen wir die Korrektur durch eine nicht ganz risikolose Operation nach DUNN. Dabei wird ein keilförmiger Anteil vom Schenkelhals entfernt und der Hüftkopf anschließend in anatomisch korrekter Stellung wieder fixiert. Dieser Eingriff beinhaltet das Risiko der Entstehung einer Hüftkopfnekrose in ca. 10-20% und sollte nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden.

Beim sogenannten akutem Hüftkopfabrutsch rutscht der Hüftkopf plötzlich um ein beträchtliches Ausmaß, was zu starken Beschwerden und zur Unmöglichkeit führt, das Bein zu belasten. In der Regel ist ein solcher Abrutsch mit einer Einblutung in das Gelenk verbunden. Das betroffene Bein erscheint verkürzt und liegt meist außenrotiert und gebeugt.

Bei diesem akuten Abrutsch handelt es sich um einen orthopädischen Notfall. Es ist dann absolute Eile geboten. Die Operation sollte so schnell als möglich erfolgen. Die größte Gefahr droht durch eine substantielle Verringerung der Durchblutung des Hüftkopfes, was zu einer Hüftkopfnekrose führen kann. Das Risiko des Auftretens einer Hüftkopfnekrose wird durch eine frühzeitige Operation reduziert. Eine Hüftkopfnekrose bedeutet für das jugendliche Hüftgelenk eine Katastrophe. Zunächst sterben Knochenzellen ab. Anschließend wird der Hüftkopf verformbar und in der Regel deformiert. Eine solche Deformierung führt später fast ausnahmslos zu einem frühzeitigen Verschleiß des Gelenkes.


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