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Hüftdysplasie(Elterninformation der Abteilung für Kinderorthopädie) Die Hüftdysplasie ist heute nach Einführung des Ultraschall-Screenings der Säuglingshüften seltener geworden. Als Kinderorthopäden sind wir mit dem Zeitpunkt der Ultraschalluntersuchung zwischen der 4-6 Lebenswoche, wie vom Gesetzgeber gewollt, unzufrieden, verlieren wir im Fall des Vorliegens einer Dysplasie doch 4-6 Wochen der Therapie. Je früher nämlich eine adäquate Therapie einsetzt, desto kürzer ist die Behandlungszeit und desto besser ist die Prognose. Die Häufigkeit der Hüftdysplasie ist geographisch unterschiedlich und beträgt etwa 1-2 auf tausend Neugeborene. Mädchen sind etwa 4-6 mal häufiger betroffen als Jungen. Wichtige Risikofaktoren für die Entstehung einer Hüftdysplasie sind z.B. eine Beckenendlage des Säuglings oder ein familiäre Belastung, d. h., dass in der näheren Verwandtschaft eine Hüftdysplasie bekannt ist. Eine Hüftdysplasie bezeichnet zunächst nur das Vorliegen eines zu steilen Pfannendaches. Unbehandelt geht eine solche Dysplasie häufig in eine Hüftgelenkverrenkung über (Hüftluxation). Die Übergänge zwischen Dysplasie und Luxation sind fließend. Die Steilheit und Entwicklung des Pfannendaches ist in den ersten Lebensmonaten mit einer Ultraschalluntersuchung sehr exakt festzustellen. Nach dem 6. Lebensmonat nimmt die Aussagekraft dieser Methode jedoch zunehmend ab. Wird durch eine entsprechende Untersuchung eine Hüftgelenkdysplasie festgestellt, muß eine Behandlung mit einer Spreizhose oder einer Beugeschiene bis zur Normalisierung der Ultraschallbefunde durchgeführt werden. Die moderne Behandlung bevorzugt dabei weniger die Abspreizung als vielmehr eine ausreichende Beugung der Hüftgelenke. Liegt neben der Dysplasie ein instabiles Hüftgelenk vor, reicht eine einfache Spreizhose zur Behandlung nicht mehr aus. Bei einem instabilen Hüftgelenk wird der Hüftkopf durch die umgebende Hüftgelenkkapsel nicht mehr zentriert in der Gelenkpfanne gehalten. Zur Ausheilung dieser Instabilität muß eine längerfristige Stabilisierung vorgenommen werden. Die besten Erfolgsaussichten hat ein Becken-Bein-Gips, der nach Anlegen in Narkose für 4-6 Wochen belassen werden sollte. Von der instabilen Situation der Hüfte besteht wiederum ein fließender Übergang zur Verrenkung des Gelenkes. Eine verrenkte (luxierte) Hüfte muß wieder in den Zustand der Zentrierung überführt werden. Dazu bietet sich die sogenannte Pavlik-Bandage an. Diese Behandlung sollte unter der Aufsicht eines erfahrenen Orthopäden durchgeführt werden. Die Erfolgsaussichten sind gut. Ist jedoch nach 3 Wochen keine Besserung des Befundes eingetreten, sollte diese Form der Therapie abgebrochen werden. Dann sollte unter stationären Bedingungen der Versuch unternommen werden, durch eine sogenannte Traktionstherapie das Hüftgelenk wieder zu zentrieren. Eine solche Behandlung dauert ca. 3 Wochen. Nach dieser Zeit wird versucht, das erkrankte Gelenk in Narkose unter Röntgenkontrolle richtig in die Gelenkpfanne einzustellen. Nach erfolgreicher Zentrierung wird zur Stabilisation für 6 oder mehr Wochen ein Becken-Bein-Gips angelegt. Gelingt auch dieser geschlossene Versuch nicht, muß das Hüftgelenk offen, also durch eine Operation, in die Pfanne eingestellt werden. Eine notwendig werdende Operation sollte nicht vor dem 5.-6. Lebensmonat erfolgen, da die frühzeitige Operation am Hüftgelenk mit einem höheren Risiko einer Hüftkopfnekrose einhergeht. Eine Hüftkopfnekrose ist eine gefürchtete Komplikation in der Behandlung der Hüftdysplasie. Es kommt dabei zu einer Durchblutungsstörung und nachfolgend zu einem Untergang von Knochenzellen im Hüftkopf mit erheblichen negativen Folgen für Form und Entwicklung des gesamten Hüftgelenkes. Eine offene Einstellung des Hüftgelenkes ist eine komplizierte Operation und sollte nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Auch nach dieser Operation ist die Behandlung noch nicht abgeschlossen. Nach Abnahme des Gipses schließt sich eine weitere Behandlung mit Beuge/ Spreizschienen an, bis sich das Hüftgelenk röntgenologisch normal entwickelt hat. Unglücklicherweise kommt es nicht in jedem Fall zu einer vollständigen Normalisierung der Hüftgelenkpfanne, so dass in jenen Fällen etwa im Alter von 18-24 Monaten eine weitere Operation im Bereich des Pfannendaches erforderlich werden kann. Durch diese Operation wird das noch zu steile Pfanendach auf Normalwerte korrigiert, auch wieder gefolgt von einer 6-wöchigen Immobilisation im Becken-Bein-Gips. Fällt eine Hüftdysplasie erstmals im späteren Lebensalter auf, sollten in jedem Fall operative Maßnahmen ergriffen werden. Eine unbehandelte Hüftdysplasie führt nahezu ausnahmslos zu einem frühzeitigen Verschleiß eines Hüftgelenkes mit der Notwendigkeit, schon zu einem frühen Zeitpunkt ein künstliches Hüftgelnk einsetzen zu müssen. | |
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