Altonaer Kinderkrankenhaus

Intrathekale Baclofentherapie (ITB)

 

Bei Kindern mit schweren Bewegungsstörungen wie einer Spastik (Dauermuskelanspannung) oder einer Dystonie (unwillkürlich auftretende an- und abklingende Muskelanspannung) kann häufig das Medikament Baclofen (Handelsname: Lioresal®) eine Minderung des Muskeltonus (Muskelspannung) bewirken. In vielen Fällen reicht die Wirkung des in Tablettenform eingenommenen Medikamentes aber nicht aus oder es kommt bei den dann notwendigen höheren Dosierungen zum Auftreten von unangenehmen Nebenwirkungen (starke Müdigkeit und Übelkeit). Der Wirkort von Baclofen im Körper ist das Rückenmark, an den es bei Einnahme in Tablettenform über den Blutkreislauf gelangt. Wenn das Baclofen direkt in den Rückenmarksbeutel (Duralsack) gegeben wird, sind sehr viel niedrigere Dosierungen zum Erreichen einer gleichzeitig sehr viel besseren Wirkung auf den Muskeltonus möglich.

Um eine dauerhafte Wirkung zu erreichen kann in diesem Fall eine Medikamentenpumpe unter die Bauchhaut eingepflanzt werden (so ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher). Diese Pumpe besitzt einen 20ml-Tank für das Baclofen und ist unter der Haut über einen Schlauch mit dem Wirbelsäulenkanal verbunden. Sie kann von Außen mit Hilfe eines Steuergerätes so programmiert werden, dass für den jeweiligen Patienten eine optimale Menge Baclofen um das Rückenmark herum gepumpt wird. Der Baclofentank der Pumpe muss dann alle 2-3 Monate nachgefüllt werden. Hierfür kann durch die Haut hindurch der Tank mit einer dünnen Nadel (wie beim Blutabnehmen) erreicht werden.
Insbesondere bei schwer betroffenen Kindern mit einer Tetraspastik (Arme und Beine spastisch) kann durch diese Therapie eine sehr gute Linderung der durch die Dauermuskelspannung bewirkten Schmerzen erreicht werden.

Eine weitere auffällige Wirkung besteht in einer wünschenswerten Gewichtszunahme, da die Spastik sehr viel Energie verbraucht, die durch eine normale Kost kaum auszugleichen ist. Wenn eine Spastik über Jahre besteht, kommt es auch bei optimaler Krankengymnastik häufig zu Sehnenverkürzungen und Gelenkfehlstellungen (besonders der Hüften und Füße), die in vielen Fällen orthopädische Korrekturoperationen nötig machen. Da aber die Ursache der Deformitäten, nämlich die Spastik bestehen bleibt, müssen solche Operationen nicht selten mehrmals wiederholt werden. Hier können durch die Implantation einer Baclofenpumpe oftmals mehrere Operationen eingespart werden.

Ob diese Therapie für ein Kind geeignet ist wird in unserer Klinik zunächst im Rahmen einer gemeinsamen ambulanten Vorstellung (Telefonische Terminvereinbarung s.o.) bei Fr. Dr. Schrader (Kinderneurologin), Fr. Dr. Babin (Kinderorthopädin) und Dr. Kunkel (Kinderneurochirurg) abgeklärt. Der nächste Schritt ist ein meist eintägiger Krankenhausaufenthalt, bei dem die Gabe einer Testdosis Baclofen in den Wirbelsäulenkanal hinein erfolgt und die Wirkung dieser Maßnahme auf die Spastik und/oder Dystonie genau protokolliert wird. Erst im Falle einer guten Wirksamkeit wird dann über eine mögliche Operation beraten.



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