Altonaer Kinderkrankenhaus

Physiotherapie bei Frühgeborenen

 

Zur Unterstützung der sensomotorischen Entwicklung bekommen Frühgeborene auf der Station Physiotherapie verordnet sobald sie stabil genug sind oder wenn besondere Indikationen bestehen.

Die Behandlung beginnt häufig zunächst mit Atemtherapie, um die Entfaltung und Belüftung der unreifen Lunge zu unterstützen. Dabei wird z.B. mit  Handkontakt und bestimmten Lagerungen die Atmung vertieft und das Ablösen von Sekret unterstützt.

Ein großer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in der „Behandlung auf neurophysiologischer Grundlage“, z.B. nach Bobath oder Vojta. Die Bewegungsmöglichkeiten der kleinen Frühgeborenen sind unreif, da sie zu früh das Schwimmen im Fruchtwasser oder das Spüren von Begrenzung durch die Gebärmutterwand verlassen haben und sich nun mit der Schwerkraft auseinandersetzen müssen. Gleichzeitig erfahren  sie negative  Reize wie Schmerz, Lärm oder Licht. Dadurch sind sie verunsichert, vor allem was ihre Körperwahrnehmung, ihr Gleichgewicht und ihre Bewegungsmöglichkeiten angeht.

Die physiotherapeutische Behandlung beginnt mit leichten Lagewechseln im Inkubator und wird mit dem Wachsen und Reifen des Kindes auf  dem Schoß weitergeführt. Durch rhythmisches Wiegen, Bewegen und Drehen des Körpers wird das Reifen des Gleichgewichts, Lageempfindens und motorischer Funktionen stimuliert. Unterstützend werden die Haut- und Tiefenwahrnehmung des Babys durch dosierten Druck des Körpers angeregt.

Um dem Kind zusätzlich Sicherheit und Geborgenheit  zu geben, werden individuell begrenzende Lagerungen, z.B. mit Kissenringen als „Nest“ oder mit Hängematten angeboten.

Da Frühgeborene oft über einen längeren Zeitraum in stationärer Behandlung bleiben, besteht auch immer viel Zeit und Möglichkeit, die jeweils individuellen Behandlungsansätze mit den Eltern zu besprechen und ihnen zu zeigen. Ergänzend werden die Eltern im sogenannten “Handling“ angeleitet. Dabei geht es darum, die sensomotorische Entwicklung des Säuglings bei den alltäglichen Handhabungen wie z.B. Hochnehmen, Wickeln oder Tragen zu unterstützen. Auch hierbei werden individuelle Besonderheiten des Babys berücksichtigt, z.B. evtl. Überstrecktendenzen oder Asymmetrien.

Außer für die Frühgeborenen wird auch bei anderen Krankheitsbildern von reifgeborenen Kindern, (z.B. Neugeborene mit Fehlbildungen) Physiotherapie angeboten.

Wenn zum Zeitpunkt der Entlassung bei einem Säugling eine Indikation für weitere physiotherapeutische Behandlung besteht, besprechen wir mit den Eltern die jeweils infrage kommenden ambulanten Möglichkeiten.


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